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HYPOCHONDRIA
observiren und nichts als Gefahren um sich her zu sehen, wodurch der froheBlick ins Leben und in die Welt, dieses für geistiges und körperliches Wohl-sein so köstliche und unentbehrliche Requisit verloren geht. In solchen Fäl-len ists am besten, die Kinder von den Altern früh zu trennen, damit sie nichtpsychisch angesteckt werden. 3) Alles, was Plethora abdominalis und atraßilis erregt, kann gelegentliche Ursache der Hypochondrie werden, alsositzende Lebensart, übermässige, unzweckmässige Geistesbeschäftigung, Un-lust zu Geschäften, Mangel an Ordnung, Unfähigkeit zum Studiren (daherdie hypochondrischen Gelehrten fa3t immer die Ungelehrten unter den soge-nannten Gelehrten sind), einseitiges Studium oder umgekehrt oberflächlicheViel wisserei; ferner unzweckmässige Nahrung, besonders viel trockene Hül-senfrüchte, Mehlspeisen, fettes Fleisch, dickes schweres Bier, Übermassschleimiger Getränke, Missbrauch der Purgirmittel etc. 4) Schwächungendurch Säfteverlust, vorzüglich durch Onanie, durch Excesse im Coitus beiJünglingen; bei Frauen durch langes Säugen, zu starke Menstruation, durchschnell auf einander folgende Niederkünfte; denn das weibliche Geschlechtkann ebenso gut hypochondrisch, als das männliche hysterisch werden.5) Depriinirende Gemüthsbewegungen: besonders unbefriedigte oder ver-schmähte Liebe, gekränkter Ergeiz, Sehnsucht, Heimweh, Eitelkeit, Kum-mer: Neid etc. 6) Verdauungsschwäche hat einen grossen Antheil an derHypochondrie. Diese entstand durch unordentliche Diät im Essen und Trin-ken, durch Mangel an Körperbewegung, übermässige Geistesanstrengung,besonders zur Zeit der Verdauung und gleich nach dem Essen, durch schwä-chende Einflüsse, Ausschweifungen in Baccho et Venere. Andere schwächenihre Verdauung durch häufige Purganzen. So entsteht die Hypochondriehäufig ex abdomine. Auch stockende Menstruation, Hämorrhoiden könnenoft schnell hypochondrisch machen. 7) Eine feuchte ungesunde Atmosphäre,dumpfe, eingeschlossene, verdorbene Stubenluft, feuchte Wohnungen tragenauch viel zur Erregung der Krankheit bei; desgleichen 8) Metastasen vonGicht, schnell geheilte oder zurückgetretene Exantheme. Eine auf die Ner-venseheiden versetzte atonische Gicht halten Tode und Weichard für einevorzügliche Veranlassung des Hypochondriacismus, und rathen dagegenKampher und Quassia an. Diese Ansicht hat allerdings viel Wahrscheinliches;denn sowol bei der Gicht, als bei Hämorrhoiden und der Hypochondrieliegt erhöhte Venosität, atra Bilis zum Grunde, und Alles, was letztere be-fördert, verschlimmert auch die Hypochondrie. 9) Ein kranker Abdominal-zustand ist fast immer der Begleiter der wahren Hypochondrie. Entstehtdiese ohne die Zeichen jenes Zustandes, sind die Anfälle mehr intermittirendals remittirend, treten sie oft plötzlich und unerwartet ein, verschwindensie oft ebenso schnell wieder; so hat man das Übel als einen rein dynamisch-abnormen Zustand des Nervensystems angesehen und Hypochondria sine ma-teria, dynamica, vaga genannt. Da indessen ülle solche rein dynamisch-ab-norme Zustände im Organismus ohne materielle Veränderungen nicht lange be-stehen können, so ists besser, nur eine Hypochondria cum materia, intestina-lis, cerebralis, organica zu statuiren und die ihr zum Grunde liegendengröbern oder feinern materiellen Ursachen, um sie besser bekämpfen zukönnen, aufzusuchen, als sich mit dem Namen Hypochondria sine materia zuberuhigen. Man vergesse nicht, dass ex abdomine % und ex cerebro kaum% aller Hypochondrien entspringen, und dass wir auch bei den letztern diematerielle Ursache wol auffinden würden, wenn die Ossa cranii nur durch-sichtig wären. 10) Da kosmische und tellurische Einflüsse kein System sobedeutend afficiren als das der Nerven, so erklärt es sich, wie plötzlicherWitterungswechsel, besonders schnelles Sinken des Barometers, desgleichender Wechsel der Jahreszeiten, vorzüglich die auf den Unterleib vor Allemwirkende Herbstzeit, desgleichen die auf die Leber influirende Sommerhitze,die Zufälle der Hypochondrie periodisch verschlimmern, gleichviel, ob ihrbedeutende materielle Ursachen zum Grunde liegen, oder nicht. Da mansolche feinere Veranlassungen, selbst den Stand der Intensität des Erdmagne-tismus und der Luftelektricität, mit Unrecht zeither bei den Anfällen des