HYPOCHOXDRIA
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chondriaca passio, Affectio hypochondriaca, 1XIalum hypochondriacum,Hypercinesia gastrica, Melancholia ncrvea, Melancholia ßatulosa , dieHypochondrie, das hypochondrische Übel, die Milzsucht, unpassendauch von Einigen höchst drollig Rippsucht, U n t e rtip p s u ch t, Un-ter k n o rpe 1 suc ht übersetzt. Dieses langwierige, ott viele Jahre dau-ernde, den Kranken wie den Arzt quälende Nervenübel befällt am häufig-sten das männliche Geschlecht, selten vor dem iOsten, meist zwischen dem25sten und 45sten Jahre, gehört seiner Natur nach halb den psychischenund halb den somatischen Übeln an, und hat grosse Ähnlichkeit mit dermehr dem weiblichen Geschlecht eigentümlichen Hysterie; doch steht vonder psychischen Seite letztere der Erotomauie mit und ohne Nymphomanie,die Hypochondrie dagegen der Melancholie mit Verkehrtheit des Gemeinge-fühls und der Melancholia anglica näher.
Symptome und Verlauf Die Zeichen der Milzsucht, wie Fr.Hoffmann die Krankheit zuerst genannt, sind nach kürzerer oder längererDauer des Übels, nach den höhern oder niedern Graden desselben höchstverschieden, so dass sie Richter mit Recht einen wahren Proteus nennt;zumal da ihre mannigfaltigen Erscheinungen bald eintreten, bald ohne be-stimmte Veranlassung verschwinden, sehr unbeständig sind und ausserordent-lich wechseln, sodass bald diese bald jene Symptome prävaliren. Da dienächste Ursache des Übels, allgemein ausgedrückt, in Disharmonien zwi-schen dem Cerebral-, Dorsal- und Gangliennervensystem besteht, so giebtauch das Nervensystem die ersten und vorzüglichsten Zeichen des Uebelsab. Wir finden also 1) verschiedene Anomalien in der Functiondes Nervensystems, besonders eine krankhafte Verstimmung des Ge-meiügefühls; daher Gefühl grosser Abspannung und Mattigkeit ohne wahreSchwäche, Schwere und Wiistigkeit im Kopfe, zuweilen Schmerz an ein-zelnen Stellen, ganz wie bei Clavus hystericus, Schmerzen, Angst, Stichein der Brust, im Unterleibe, in den Gliedern, Gefühl, als kröche ein Thieran diesem oder jenein Theile des Körpers; schnelles Wechseln und grosseVariabilität dieser Zufälle, woraus deutlich hervorgeht, dass sie nicht vontopischen Leiden, sondern vom alienirten Nervensysteme herrühren; fernerSinnestäuschungen: Nebel-, Funken-, Flecken-, Flammensehen, Ohren-klingen, veränderter Geschmackssinn; der Kranke kann entweder gar nichtsschmecken, oder es kommt ihm Alles fade, bitter, süss, salzig, sauer etc.vor, ohne dass besondere Zeichen von Gastrici»mus da wären. Auch derTastsinn ist oft verändert, das Hautgefühl alienirt, daher Gefühl von Krie-beln, Jucken, Hitze, Kälte, oft wirklich veränderte Temperatur an einzel-nen Theilen, die tbermometrisch nachgewiesen werden kann. Verstim-mung der Reizbarkeit der Geschlechtsorgane, zu Anfange desÜbels oft starker Geschlechtstrieb, häufige, nächtliche Pollutionen, weiter-hin und bei altern Hypochondristen meist Gleichgültigkeit gegen Frauen-zimmer, fast ganz verschwundener Geschlechtstrieb, so dass viele ausFurcht, impotent zu sein und nicht praestanda prästiren zu können, nichtheirathen. Krankhafte Affectionen der Geisteskräfte und desGemüths. Der eine Kranke glaubt, dass er gar nicht, weder körperlichnoch geistig, arbeiten könne, und fühlt sich auch wirklich nach mässigenGeistesarbeiten schon sehr abgespannt, der Andere zeigt dagegen grossenScharfsinn, eisernen Fleiss und Ausdauer in geistigen Arbeiten, und wirhaben viele der vortrefflichsten Schriften in Künsten und Wissenschaftenden Hypochondristen zu verdanken. Die Gemüthsstimmung ist zwar wech-selnd, besonders zu Anfange des Übels, wo dasselbe mit der Hysterie nochviel Aehnliches hat; doch ist die Neigung zu Unruhe, Ängstlichkeit, hoherReizbarkeit des Gemüths, zu übler Laune, Ärgerlichkeit, Misstrauen gegenalle Menschen bis zur Misanthropie und Melancholie düsterer Art, zu Ver-schlossenheit, zu stillem Hinbrüten, im höchsten Grade selbst bis zu demvorherrschenden Gedanken an Selbstmord, stets hervorstechend. Der Hypo-chondrist richtet seine Aufmerksamkeit stets zu sehr auf sich und auf seinekranken Gefühle, er strengt alle seine Nerven an, sein Innerstes zu obser-