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1 (1838) A - K
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860 IIYDROTHIONSÄURE — HYOSCYAMUS

innerliche Kopfwassersucht kann nach mechanischen Verletzungen und dieäusserliche künstlich nachgeahmt werden (s. Hydrocephalus). 2) Wus-sersüchtige Anschwellung der Unterschenkel und der Füsse wird von Con-scriptionspilichtigen, Gefangenen etc oft künstlich durch festes Binden überden Knien erregt. 3) Erkünstelte VV asserbrüche ( llydrocele) »erdenauch nicht selten von Sträflingen, Recruten etc., um sich der Strafe oderdem Kriegsdienste zu entziehen, gemacht und vorgeschützt (s. Henke'sZeitschr. f. Staatsarzneikde. Krg. Heft V. S. 294. XI. S. 318), indem siemit einer starken Nadel die Häute des Scrotums durchbohren und durch diegemachte Öffnung Luft ins Zellgewebe blasen. 4) Wenn junge, in der Pu-bertät begriffene Personen oder sehr alte Leute gefangen gehalten werdenund ihnen frische Luft und tägliche Bewegung fehlt, so bekommen sie leicht ge-schwollene Füsse und schlimme Beingeschwüre (s. Gefängnissstrafe).

Hydrothionsäure, s. Acidum hydrothionicum.

Xfygielne publica, s. Gesundheitspolicei.

Hygrophobia , s. Hundswuth.

Hymen, s. Geschlechtstheile und Jungferschaft.

Hyoscyamiii. Ist der wirksame Bestandteil von alkalischer Naturim Bilsenkraute. t>. Hyoscyamus.

Hyoscyainus, Bilsenkraut (franz. juiquiame , engl, hen-bone,ital. giusquiamo , holt. Bilsenkruyd . Die verschiedenen Arten dieBer zwei-jährigen betäubenden Giftpflanze sind: Hyoscyainus niger et albus Lin-7iaei, H. aureus, spliysaloiden, scopolia, mutivus, datura Fonkät (l'en-tandria monogynia L., Sulanene Jussieu). Am meisten ist in toxikologi-scher Hinsicht Hyoscyamus niger, das schwarze Bilsenkraut, unter-sucht worden, welche* 2 — 3 Schuh hoch, an unangebauten Orten Europas,auf Schutthaufen, Ruinen, an Zäunen, Wegen, Rainen und auf dumpfeilKirchhöfen u. s. w. wächst; es blüht im Juli und August, ist von wider-lich betäubendem Gerüche, etwas schwachem Geschmacke, hat gekrümmte,schmuzig grüne, wollige, sammetartige, etwas klebrige Blätter, mit kurzenweissen Haaren bedeckt; die Blumen bilden eine schöne Ähre von bleich-gelber Krone mit duujtelpurpurnen Adern, unten rothbraun, von traurigemAnsehen. l>ie Wurzel seukt sich senkrecht in die Erde, ist saftig (s.Winckler , Deutschlands Giftpflanzen. Tab. 61). Die Wurzel, das Kraut,die Samen, die in einer zweifärherigeu Kapsel mit einein Deckel einge-schlossen sind, sowie die ganze Pflanze sind giftig. Die Wirkung des Bil-senkrautes hängt von seinem Grundstoffe, einem Alkaloid (dem Hyoscya-min ) ab. Dass die Wurzel, wie Orfila will, in völliger Vegetation seinmüsse, um erhebliche viröse Eigenschaften zu entfalten, wird durch einenFall von Wilmer widerlegt. Nach mehreren Beobachtungen wirkt das Bil-senkraut heftiger, wenn es in den Mastdarm gespritzt, als wenn es inner-lich genommen wird. Himly sah auf ein Klystier aus einer Abkochung von5jj Bilsenkraut rothe Hautdecke und Lähmung der untern Extremitäten ent-stehen. Auch der äusserliche Gebrauch des Bilsenkrautes kann gefährlichwerden. Für Pferde, Rindvieh und Schweine scheint das Bilsenkraut nichtgiftig zu sein, wohl aber für die übrigen landwirtschaftlichen Thiere. DieBilsenkrautwurzeln werden öfters mit Pastinak-, Petersilien- oder wildenCichorienwurzeln verwechselt, weshalb die Gesundheitspolicei durch geeig-neten Unterricht auf Schulen die Jugend mit den Giftkräutern bekannt ma-chen lassen muss. Es empfiehlt sich als Grundlage bei solchem UnterrichteWinckler's Schrift: Deutschlands Giftpflanzen. 2te Ausg. 1832). Sym-ptome der Vergiftung durch Bilsenkraut. a) Bei Menschen:Hitze, Trockenheit im Munde und Schlünde, Dysphagie, Zusammenscbnü-rung des Schlundes, Kolik, Durchfall, Steifigkeit der Glieder, gelähmte,zuweilen aber auch stark krampfhaft liervorgestreckte Zunge, Eingenommen-