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1 (1838) A - K
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FALLSUCHT

irre. Der Wichtigkeit des Gegenstandes wegeil führt Friedreich (a. a. O.S. 647 — 658) ein paar praktische Fälle auf, welche das eben Gesagte näherbestätigen. — Höchst einseitig ist es, wenn Legraverend (Traite de la 1(5-gislation criminelle en France 1816) der Meinung ist, dass man einen Epi-leptischen bei gesetzwidrigen Handlungen für zurechnungsfähig halten undbestrafen müsse, wenn er dieselbe auch vor und nach den Anfällen be-gangen habe. Hier sagt Orfila (Med. legale 1836. Tom. I. S. 515), indemer die Epilepsie unter den Geisteskrankheiten freilich nur sehr dürftig aufeiner Seite und 8 Zeilen abhandelt: „Es scheint uns, dass wir hier einenUnterschied machen müssen zwischen den groben, lange prämeditirten Ver-brechen, als Raub und Menschenmord in Folge des Raubes, und zwischenden Verbrechen, welche in der ersten Aufregung des Zorns und Affects began-gen worden sind; die ersten müssen selbst bei sonst vernünftigen Epileptischenbestraft werden, für die letztern ist es augenscheinlich von Wichtigkeit, dasader geistige Zustand dieser Kranken grosse Berücksichtigung verdiene.

II. Zuweilen wird die Epilepsie vorsätzlich nachgeahmt ( Epilesia simu-lata, falsa) namentlich von Bettlern, Betrügern, um das Mitleid der Men-schen rege zu machen, von Sträflingen, um sich verdienten Strafen zu ent-ziehen, von Recruten, um vom Militairdienst freigesprochen zu werden u.s. w. Das Merkwürdigste dabei ist, dass solche Personen durch öftere Wie-derholung dieser Betrügerei zuletzt die wahre Epilepsie bekommen (Cul/en,Sauvages, Tissot, Boerhaave, Most). Die Diagnose ist oft schwerer, da esauch eine Epilepsia imperfecta giebt, wobei das Hauptzeichen des Insultsder Epil. perfecta: Mangel an Empfindung, fehlt. Die Uubeweglichkeit derPupille während des Anfalls und eine durch öftere Verletzungen abnorme,oft an den Seiten gezähnte Zunge setzen die wahre Epilepsie ausser Zwei-fel. Auch vergesse man nie, dass der epileptische Anfall, so gut wie jedesandere Übel, sein Incrementum, Status und Decrementum hat, dass also auch,selbst wenn es keine Epil. imperfecta gäbe, das Kriterium des Gefühlsman-gels nicht für jedes Stadium des Anfalls passt, um nicht durch einseitigesUrtheil einen wahrhaft Epileptischen für einen Betrüger zu halten. — Orfila(Med. legale. I. p. 399) sagt: Ist man bei simulirter Fallsucht, so kannmau die List der Betrüger an folgenden Zeichen erkennen: 1) in der wahrenEpilepsie weiss der Kranke beinahe nie den Eintritt des Anfalls, er fälltohne Unterschied auf jeden Körper, während der Betrüger sich sorgfältigvor jeder Verletzung beim Fallen in Acht nimmt; und er vermeidet die An-fälle zur Zeit, wo Arzte zugegen sind (ist einseitig, da ich mehrere Epi-leptische mit recht eingewurzeltem Übel und bei denen kein Verdacht derVerstellung stattfinden konnte, in Behandlung gehabt habe, bei denen dieAnnäherung des Anfalls sich durch die Aura und Angstgefühl einige Augen-blicke und wenigstens so lange deutlich aussprach, dass sie jedesmal nochzum Bette eilen konnten, und daher nie durch Fall Verletzungen erhielten).2) Bei der wahren Epilepsie ist nach Orfila die Sensibilität völlig erloschen;inau mag Lärm machen, die stärksten Riechstoffe anwenden, durch Brenn-mittel, Stechen, Kneipen Schmerzen erregen u. s. w., der Kranke fühltnichts im Anfalle. Das Gegentheil findet bei der simulirten Fallsucht statt.(Die Dauer der Anfälle bei der wahren Epilepsie ist oft nur kurz, und dabeim Nachlass des Anfalls Empfindung und Bewusstsein allmälig wieder-kehren , so kann diese Probe nur zu Anfange des Anfalls etwas gelten.Ausserdem giebt es bei jungen Subjecten, namentlich Frauenzimmern, nichtselten Complicationen der wahren Fallsucht mit Hysterie, Katalepsie etc.,wo die hysterischen und kataleptischen Anfälle, bei denen die Empfindungnicht ganz erloschen. mit den nur selten kommenden Anfällen der Epilepsiealterniren. Mösl.) 3) Die Pupille ist in der wahren Epilepsie erweitertund die Iris unbeweglich, wovon man sich durch plötzliche Annäherung einerangezündeten Wachskerze an die Augen überzeugen kann; doch ist es stetsschwer, dies Zeichen wahrzunehmen, weil die Augen des Kranken beim An-falle im Kopfe umherrollen und der Körper sehr durch die Krämpfe bewegtwird. (Im ersten Augenblicke des Anfalls, wo die Augen unbeweglich,