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1 (1838) A - K
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ESSIG

stillation kann man den Essig von diesen scharfen, meist harzigen und we-niger flüchtigen Stoffen befreien. Man erkennt ihr Vorhandensein, wennman den Essig bis zur Honigconsistenz verdunsten lässt, und mit dem Re-siduum Lippe und Wange bestreicht, wo es dann ein deutliches Brennenhervorbringt; oder indem man den Essig mit Kali oder Natrum neutralisirt,zeigt sich der brennende Geschmack auch in den erhaltenen Salzen u. s. w.

Die Verunreinigung mit Metallen erkennt man im Allgemeinen aus denbräunlichen oder schwärzlichen Niederschlägen, welche sich nach dein Zu-satz von schwefelwasserstoffhaltigem Wasser und schwefelwasserstoffsauremAmmoniak in dem bis zur schwachen sauren Reaction neutralisirten Essigzeigen. Blausaures Eisenkali (Cyaneisenkalium) giebt in einem solchen Es-sige einen rothen Niederschlag, wenn Kupfer, einen blauen, wenn Eisen,und einen weissen, wenn Zinn darin enthalten war. Roloff (Kopp's Jahrb.d. Staatsarzneikde Bd. 5. S. 157) fand Bieressig, durch dessen Genuss 28Menschen erkrankten, zufällig mit Arsenik vergiftet. Oft wird der Essigdadurch kupferhaltig, dass man sich zum Abziehen desselben eines messin-genen Hahnes bedient, der stets aus Holz oder Glas gearbeitet sein sollte.

Unterwirft man den Essig der Destillation, so reinigt man ihn von sei-nen fremden Beimischungen und erhält so einen reinem, aber nicht einen anSäure stärkern Essig, den deitillirten Essig ( Acetum destillatum). Durchschwefelwasserstoffhaltiges Wasser entdeckt man in dem destillirten Essigjede Verunreinigung von Kupfer: ein Gehalt an Zinn zeigt sich durch dieopalisirende Farbe, sowie durch den weissen Bodensatz von Zinnoxyd beilängerer Berührung mit der Luft. Zu andern pharmaceutischen Präparaten,wie zu den Kräuteressigen (z. B. Acet. Rutae ) oder aromatischenEssigen (Acet. aromaticum ), ferner zu den Fruchtessigen (wie z. B.der Himbeeressig, Ac. Rubi ldaei) bedient man sich des gekochten und da-durch etwas verstärkten und gereinigten Essigs, welchen man entweder ko-chend auf die auszuziehenden Substanzen infundirt und dann gewöhnlich nurkurze Zeit darauf stehen lässt und ihn dann abgiesst und wohl verwahrt,oder nach dem Kochen erkaltet aufgiesst und einige Tage darauf lässt,dann abklärt und wohl verschlossen verwahrt. Unter den Kräuteressigenhat sieh besonders der sogenannte Vierräuberessig (Vinaigre de s qua-tres voleurs, Acetum prophylacticum, antisepticum, quatuor latronum)als ein Ansteckung verhütendes Mittel berühmt Gemacht; es ist ein Jnfusumvon Weinessig auf Herb. Rutae, Salviae, Menthae pip., Absinthii undFlor. Lavandulae , mit einem Zusatz von etwas Kampher. Der durchs Ge-frieren oder auf andere Weise gewonnene verstärkte Essig ( Acetum concen-tratum) muss rein von schwefeliger und von Schwefelsäure sein, was einePrüfung mit Aqua hydrothionica, Baryta muriatica anzeigt. Die Essig-säure (Eisessig, Essigalkohol, Radicalessig, Westendorf-scher Essig), Acidum aceticum, Alcohol aceti, Acetum radicale, ge-winnt man so, dass man völlig verwittertes essigsaures Bleioxyd mit con-centrirter Schwefelsäure destillirt, wo sieh dann schwefelsaures Blei bildetund die Essigsäure frei wird. In Fabriken gewinnt man sie aus essigsau-rem Natrum durch Destillation mit Schwefelsäure. Übrigens ist die Essig-säure nie rein, sondern sie enthält immer noch Wasser, welches 14,89 pC.beträgt, ihr spec. Gew. ist 1,063; sie ist wasserhell, von beissend-sauremGeschmack und eigentümlichem stechend-saurem, aber sehr erquickendenGeruch. Sie lässt sich, in offenen Gefässen bis zum Sieden erhitzt, leichtentzünden und brennt dann mit blauer Flamme fast wie Alkohol. Zusam-mengesetzt ist sie aus 47,536 Tb. Kohlenstoff, 5,822 Wasserstoff und 46,642Sauerstoff. Mit dem Wasser lässt sie sich in allen Verhältnissen mischenund zeigt dabei die. Eigentümlichkeit, dass sie bis auf einen gewissen Graddurch den Zusatz von Wasser condensirt wird und daher auch so weit an»pec. Gewicht zunimmt, bei grösserem Wasserzusatz aber wieder auf ihrursprüngliches spec. Gewicht zurückkehrt. Für viele organische Substan-zen, wie Kampher, ätherische Öle, Pflanzenschleim, Gummiharz, Harze,Eiweiss, Faserstoff des Bluts u. a. m. ist die Essigsäure ein Auflösungsmit-