Druckschrift 
1 (1875)
Entstehung
Seite
510
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

510

Stehen, Gehen, Laufen,

der Anhäufung von Zersotzungsproducten, welche bei der Contraotion indem Muskel entstehen; je grösser also die Summe der Muskeln ist, aufwelche sich die Arbeit vertheilt, um so später tritt der Moment ein,wo der Materialverbrauch so weit vorgeschritten ist, und die Anhäufungder Zersetzungsproductc einen solchen Grad erreicht hat, dass dadurchdie Muskeln leistungsunfähig werden. Wo deshalb der menschliche oderthierische Körper Arbeit leisten soll, und zwar Arbeit an künstlichenVorrichtungen, an Maschinen, ist immer darauf zu achten, dass dieMaschinen so eingerichtet sind, dass er mit möglichst vielen Muskeln andenselben arbeitet, dass er mit verschiedenen Theilen seines Körpers beider Arbeit in Thätigkeit sein kann. Es ist das z. B. der Grund, warumdie alte Häekselschncidmasehinc durch die neueren Maschinen, bei denenein Rad gedreht wird, noch nicht verdrängt worden ist, dann bei denneueren Maschinen concentrirt sich die Arbeit auf den Arm der das Raddreht; bei der alten Maschine aber arbeitet man mit dem linken Arme,indem man das Stroh mittelst der Gabel vorschiebt, mit dem rechtenArme, indem man das Messer führt, und mit dem einen Beine, beziehungs-weise mit dem Gewichte seines Körpers, indem man das Trittbrettheruntertritt.

Stehen, Gehen, Laufen.

Der Mensch leistet Arbeit, auch wenn er nicht fremde Massenbewegt, sondern nur seine eigene Masse; ja es bedarf einer gewissenMuskelthätigkeit, um überhaupt den eigenen Körper aufrecht zu erhalten.Wenn der menschliche Körper aufrecht stehen soll, so ist es nothwendig,dass sein Schwerpunkt unterstützt sei, das heisst, dass die sogenannteSchwerlinie, die Senkrechte, welche durch den Schwerpunkt des Körpersgeht, in den Bereich seiner Unterstützungsfiäche falle. Zweitens ist esaber auch nöthig dass der Körper durch Muskclaction aufrecht erhaltenwerde; denn eine Leiche, wenn man sie auch so aufstellt, dass ihrSchwerpunkt unterstützt sein würde, fällt zusammen, weil ihre Gelenkenachgeben. Die Gelenke, welche zunächst in Betracht kommen, sind dasSprunggelenk, das Kniegelenk, das Hüftgelenk; dann müssen auch derKopf und die Wirbelsäule durch Muskclaction in ihrer Lage erhaltenwerden. Unter den genannten Gelenken sind aber zwei, bei welchendie Muskclaction bis zu einem gewissen Grade durch Bänder unnöthiggemacht wird; diese sind das Kniegelenk und das Hüftgelenk. Wenn Siean einer Leiche das Kniegelenk strecken und dann weiter nach hintendurchzubiegen suchen, so werden Sie bald auf einen Widerstand kom-men , welchen Sic nicht überwinden können. Dieser Widerstand wirdhervorgebracht durch das Ligamentum cruciatum anticum, welches ausder Grube vor der Eminentia intercondyloidea entspringt, nach rück-wärts zieht und sich am inneren Umfange des Condylus externus femorisfestsetzt. Dieses Ligament ist erschlafft in gebogener Stellung des Knies;so wie das Knie gestreckt wird, spannt es sich an und hindert, dassdas Kniegelenk über einen gewissen Grad hinaus gestreckt, richtigerdurchgebogen wird. Wenn also einmal das Kniegelenk so weit nachhinten durchgebogen ist, dass dieses Ligament gespannt ist, so bedarf esin aufrechter Stellung keiner Muskclaction mehr, um das Bein in dieser