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1 (1875)
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Der Speichel.

Reaction, welche im Magen herrscht, die Wirkung des Speichels aufhobt.Sie haben sich weiter darauf gestützt, dass selbst wenn Amylum in reich-licher Menge genossen wird, sich doch im Magen entweder kein Zuckeroder nur Spuren von Zucker finden, während später im Dünndärme immerbeträchtliche Mengen Zucker gefunden werden, so dass man hienachschliessen müsste, dass das Amylum, beziehungsweise der Kleister odordas Dextrin, erst im Dünndarme in Zucker umgewandelt werde. Was dieorstere Angabe anlangt, die Angabe, dass die saure Reaction die Wir-kung des Speichels auf die Stärke aufhebt, so ist sie im Allgemeinenrichtig. Es ist zwar nicht richtig, dass die Umwandlung durch denSpeichel nur vor sich geht bei alkalischer Reaction, sie geht aber nurvor sich bei alkalischer und bei sehr schwach saurer Reaction. Wennman sich zum Ansäuern des Verdauungsgemisches der Chlorwasserstoff-säure bedient, was man deswegen thut, weil die hauptsächlich wirksameSäure im Magen die Chlorwasserstoffsäure ist, so findet man, dass beieinem Säuregrade von f pro mille, das heisst in einer Flüssigkeit, dieim Liter - Gramm CHI enthält, die Umwandlung noch vor sich geht.Wenn aber der Säuregrad auf 1 pro mille steigt, so geht die Umwand-lung nicht mehr vor sich. Ob also die Wirkung des Speichels im Magensistirt wird oder nicht, hängt von dem Säuregrade, der eben im Magenherrscht, ab. Es ist dieser bei verschiedenen Thieren verschieden. ' DerSäuregrad ist bei Fleischfressern, also auch bei Hunden, an denen bisjetzt die meisten Versuche gemacht sind, verhältnissmässig hoch, beimMenschen ist er geringer. Was die Angabe anbelangt, dass man auchnach reichlicher Fütterung mit Stärkekleistcr im Magen gar keinen odernur Spuren von Zucker finde, so ist diese gleichfalls im Allgemeinenrichtig. Ich habe unter sehr vielen Fällen nur in einem einzigen Falleeinigermassen erhebliche Mengen von Zucker gefunden. Sonst findetman Spuren und selbst kaum nachweisbare Spuren von Zucker. Da nunim Magen Milchsäuregährung stattfindet, so kann man vermuthen, dassder gebildete Zucker gleich wieder in Milchsäure iimgowandelt wird,und das mag auch bis zu einem gewissen Grade der Fall sein. Der ausrschliessliche Grund dieser Abwesenheit von Zucker im Magen bei derStärkeverdauung kann es indessen nicht wohl sein. Wenn man nämlichdem Futter kleine Mengen von Zucker zusetzt, oder wenn man stattdes reinen Stärkeklcisters Mehlkleister füttert, Kleister aus Weizenmehl,der an und für sich schon kleine Mengen von Zucker enthält, dann fin-det man im Magen des Versuchsthicrcs merklich grössere Mengen vonZucker, und es ist kein Grund vorhanden, dass, wenn der frischgebildeteZucker sofort in Milchsäure umgewandelt wird, nun der in den Magenhineingebrachte nicht axich sollte in Milchsäure umgewandelt wordensein. Atis dem Allen geht hervor, dass man schwer etwas Allgemeinesüber die Speichelwirkung im Magen aussagen kann. Bekanntlich ist zuAnfang der Fütterung und zu Anfang des Essens keine so grosse Säure-menge im Magen. Es werden die Ingesta mit dem Speichel hinein-gebracht, es kommt dazu noch der Speichel, der namentlich nach demEssen gewöhnlich in ziemlicher Menge von Menschen und Thierenhinuntergeschlungen wird. Also zu Anfang kann im Magen eine Um-setzung der Stärke in Dextrin und Zucker stattfinden. Es wird von derMenge des Speichels abhängen, ob hier nur Dextrin und zwar Erythro-