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1 (1875)
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Gegohrene Getränke.

ob man ihnen denselben vorenthalten solle, bis sie erwachsen sind. Es sinddies Fragen, die schwer allgemein zu beantworten sind. In Rücksichtauf die Kinder handelt es sich um die Körpcrbesehaffenheit der einzelnen,und um die Menge des Weines, welche ihnen verabreicht werden soll.Man kann aber im Grossen und Ganzen fragen: Wie sieht es aus mitder Bevölkerung und dem Gesundheitszustande in denjenigen Ländern,wo der Wein wächst und von dem grö'ssten Thcile der Bevölkerung ge-nossen wird, und da, wo er nicht wächst? Da muss man dann sagen,dass man die üblen Folgen des Weines für die Gesundheit häufiger indenjenigen Ländern sieht, in denen der Wein nicht wächst, als man siein den Ländern sieht, wo er wächst. In einem grossen Theile der Wein-länder wird der Wein nicht häufig im ITebermasse genossen, weil dasKlima nicht dazu auffordert. Aber auch da, wo er wie bei uns, in ver-hältnissmässig bedeutender Menge genossen wird, sieht man doch dieNachtheile davon weniger, als mau sie gerade in denjenigen Ländernsieht, wo der Wein nur einer geringeren Menge von Individtien zugäng-lich ist, wo er nicht wächst, wo er allerlei Reisen und Procedurcn durch-gemacht hat, ehe er an Ort und Stelle ankam. Jedenfalls kann mandem Weine das Gute nachsagen, dass er unter den drei gegohrenenGetränken, Wein, Bier und Branntwein, dasjenige ist, welches noch amwenigsten nachtheilig auf die physischen und moralischen Eigenschaftender Volksmassen gewirkt hat. Er ist in neuerer Zeit vielfältig durchdas Bier verdrängt worden, und man sieht manchmal darin einen wesent-lichen Vortheil, weil man das Bier für besonders nahrhaft hält, und in derThat auch die Erfahrung lehrt, dass Leute beim Biertrinken im Allge-meinen Fleisch und Fett ansetzen, und dass manche Kranke, welche manauch mit Zuhilfenahme von Wein nicht mehr in die Höhe bringen kann,in ihrer Ernährung durch Bier noch wieder gehoben werden. Man kannaber nicht glauben, dass es das Bier direct ist, das so ernährt, wennman bedenkt, dass die nährenden Substanzen, Dextrin, Zucker undPflanzeneiweiss, in guten Bieren fünf bis sechs Procent betragen. DemAlkohol, der im Körper unvollkommen zersetzt wird, könnte man nureinen höchst untergeordneten Werth als sogenanntes Respirationsmittelzuschreiben. Der Alkohol ist aber auch im Weine enthalten, wie imBiero; hier also, wo es sich um den grösseren Nährwerth des Biereshandelt, kann er überhaupt nicht in Betracht gezogen werden; aber dasBier ist, ausserdem dass es ein alkoholisches Getränk ist, ein bitteresMittel. Bei Individuen also, die sonst ihre Nahrung nicht gut ausnützenund verdauen, kann das Bier mit dazu dienen, dass sie ihre Nahrungbesser ausnützen und auch eine grössere Menge von Nahrung bewältigen.Das geschieht aber nur, so lange das Bier in massiger Quantität genossenwird. Wird das Bier in unmässiger Quantität genossen, dann zeigt sichdie gegentheilige Wirkung, die Leute gehen in ihrem Nahrungsbedürfnisseherunter, und nehmen dann auch nicht mehr an Kraft zu, sondern ab.Ich brauche ferner nicht darauf hinzuweisen, dass das Bier mehr als derWein eine gewisse Schwerfälligkeit des Körpers und des Geistes hervor-bringt, die leider manchmal massenhaft und in sehr ausgeprägter Weisezur Erscheinung kommt. Auch vermindert es, wenn es im Uebermassegenossen wird, in auffälliger Weise die Widerstandsfähigkeit gegen acuteKrankheiten, so dass häufig anscheinend kräftige und torose Individuen