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Anorganische Nalu'imgsmiUol.
wilden Völkern Südamerikas, namentlich bei den Otomaken, hat Hum-boldt beobachtet, dass sie aus einer gewissen Thonart Klösse formtenund diese in der Zeit, wo sie Mangel an Nahrungsmitteln litten, mitihren sonstigen Vorräthcn verspeisten. Dann ist im dreissigjährigenKriege, nach den Angaben des Chronisten Micraelius, selbst in demsonst getreidereichen Pommern Erde unter das Brod verbacken wordenu. s. w. Man kann übrigens von einer Erde, ehe man sie näher unter-sucht hat, nicht aussagen, dass sie durchaus nichts Nahrhaftes enthalte.Es bilden bekanntlich nicht nur Infusoricurostc, sondern auch nochlebende Organismen ausgedehnte Lager, so dass die angebliche Erde nochfür den Menschen brauchbare organische Verbindungen in grösserer odergeringerer Menge enthalten kann.
Die Falle, wo Erden als Leckerei genossen worden, weil man ihneneinen Geschmack auch in weiteren Kreisen abgewonnen hat, sind garnicht selten. Moleschott erwähnt deren mehrere in seiner Physiologieder Nahrungsmittel. Schon Plinius erzählt von einer Speise, zu dereine Erdart zugesetzt werden musste. In der Mongolei werden Schalenaus einer wohlriechenden Erde geformt; in diese wird Wasser gegossen,das den Geruch und Geschmack derselben annimmt: das Wasser wirdgetrunken, und dann werden die Schalen zerbrochen und gegessen.Etwas Aohnliches existirt in Chile und auch iu Portugal. Es ist aberziemlich schwer, hier die Grenze festzuhalten zwischen dem, was nochein verbreiteter Appetit, und dem, was bereits krankhaftes Gelüste ist.Zu letzterem muss man schon das Essen der Sicgelerde rechnen, demim Orient namentlich die Frauen in den Harems fröbnen. Es erinnertschon an die Pica chlorotica unserer einheimischen Mädchen, die in denSchulen häufig die Kreide, manchmal auch Schiefertafel und Griffel nichtin Ruhe lassen können. Worin diese Pica chlorotica eigentlich ihrenGrund hat, ob die erste Veranlassung dazu reichlichere Absonderungvon Säure im Magen ist, die durch Kreide abgestumpft werden soll,weiss man nicht mit Sicherheit. Man weiss aber, dass das, was wirdavon sehen, nur kleine Anfänge sind gegenüber einer entsetzlichenKrankheit, welche man in Afrika, mehr aber noch in denjenigen Theileuvon Amerika, in denen viele schwarze Sklaven leben und lebten, beob-achtet hat, nämlich der Geophagie. Diese zeigt sich zuerst mit denErscheinungen der Verarmung an Blut. Die Individuen werden dabeimatt, träge, mürrisch, gleichgültig gegen äussere Dinge, suchen die Ein-samkeit auf, und ihre Haut fängt an sich zu verfärben, die der Negerwird olivcnfarbig, die der Mulatten grau, und die der Aethiopen wirdweisslichgelb. Sic bekommen Palpitationen, Schwindel u. s. w. DieseErscheinungen wachsen immer mehr, die Mattigkeit wird immer grösser,und dabei fühlen sie sich gedrungen, erst eine Erde, die sie noch miteiniger Sorgfalt aussuchen, dann beliebige Erde oder Thon zu gemessen,später auch andere ungeniessbare Dinge, selbst Holz und Papier zu ver-schlingen. Zuletzt tritt häufig Diarrhöe und Erbrechen hinzu, und meistgehen sie hydropisch zu Grunde oder sterben an irgend einer inter-currenten Krankheit, von welcher ihr geschwächter Körper befallenwird, namentlich an Dysenterie.
In der Weise, in welcher uns die organischen Nahrungsmittel die-nen, können uns die anorganischen Nahrungsmittel niemals dienen. Die