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1 (1875)
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219
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Der Stoffwechsel.

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bei ihnen krankhafter Weise der Stoffwechsel verlangsamt ist. Wenn mandie Melancholiker ausschliesst, so gibt ein Mittel aus 10 Beobachtungenals mittlere Zeit des Fastens vierzehn Tage. Dagegen gaben sechsMelancholiker, die Wasser getrunken, aber nicht gegessen hatten, untersich allein berechnet, das erstaunliche Mittel von 41,6 Tagen. Für dieErhaltung dos Lebens und der relativen Euphorie von fastenden oderunzureichend ernährten Individuen sind als wesentliche Bedingungen an-zusehen : völlige Buhe des Körpers und Wärme, in der Weise, dass dievom Körper producirte Wärme so wenig als möglich abgeleitet wird. Diegrösstc Körperruhe scheint es wesentlich zu sein, welche das lange Fastender Melancholiker ermöglicht; sie verbrauchen so wenig als möglichSubstanz, um bewegende Kraft zu erzeugen. Andererseits ist es klar,dass das Faston um so länger muss ertragen werden können, je wenigerdas Individuum Wärme zu bilden braucht, und es braucht um so wenigerWärme zu bilden, je weniger Wärme von ihm abgeleitet wird. DieserSatz, dass man unvollkommen Genährte möglichst vor der Wärmeabgabczu schützen, und ihnen möglichst Muskclanstrengungen zu ersparen hat,ist durch vielfältige Erfahrungen in Spitälern bestätigt, namentlich da, woman gegen Syphilis die Fricke'sche Cur anwendet, bei der kein Queck-silber gegeben wird, sondern die Individuen als Mcdicamcnt nur schwefel-saures Natron bekommen, und einer sehr strengen und knappen Diätunterworfen werden. Hier hat es sich immer gezeigt, dass die Cur biszu einem gewissen Grade durchführbar war, so lange die Individuenruhig im Bette liegen konnten, dass sie aber, sobald man vorsuchte, sieausser Bett zu halten, sofort darunter litten und sich bitter über Hunger,Frost tmd Schwäche beklagten.

Wir haben gesehen, dass die Menschen und die Thicrc um so längerden Hunger ertragen können, je langsamer ihr Stoffwechsel ist, weil esum so länger dauert, bis sie die verhängnissvollcn 0,4 von ihrem Körperverloren haben. Damit hängt es auch zusammen, dass die Kinder denHunger nicht so lange ertragen können als Erwachsene, weil sie obeneinen geschwinderen Stoffwechsel haben. Hippokrates sagt schon: DieKinder ertragen das Hungern kürzere Zeit als die Erwachsenen, dieMänner kürzere Zeit als die Frauen, und Greise ertragen es länger alsbeide. Man kann das letztere jedoch nicht durchwegs sagen, indemabgelebte Greise der Nahrungsentziehung vcrhältnissmässig früh erliegen.

Die Leichname verhungerter Menschen haben gewisse Kennzeichen,welche in forensischer Beziehung wichtig sind. Es sind im Wesentlichendieselben, welche Chossat bei seinen verhungerten Thieren gefundenhat. Zunächst ist fast sämmtliches Fett geschwunden. Der Körper istabgemagert, der Magen ist leer, das heisst er enthält keine zur Ernährungdienenden Substanzen, wohl aber enthält er manchmal andere Substanzen,die aus Noth verschlungen worden sind, Gras, Stroh, Papier, Zeug unddergleichen. Durch das Verschlingen von unverdaulichen Siibstanzen kannzwar das Leben nicht verlängert, aber doch das Hungergefühl wenigerpeinigend gemacht werden. Das Hungergefühl ist ein doppeltes, ein all-gemeines Gefühl der Inanition und ein Localgcfühl des Hungers im Magen,das durch Anfüllung desselben gedämpft werden kann. Es trat dassehr deutlich an einer Kranken hervor, auf welche wir noch zurück-kommen werden, und die von Busch in Bonn beobachtet worden ist.