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Der Stoffwechsel.
wie wir gesehen haben, grossentheils mit dem Blute der Milzvene fort-geführt werden.
Auffallend ist die sehr geringe Abnahme des Nervensystems, indemdieses noch nicht um zwei Hundertstel abgenommen hat zu einer Zeit, woschon fast alles Fett geschwunden war. Es scheint dies damit zusammenzu-hängen, dass der grösstc Theil des Nervensystems und namentlich derTheil, der hier gewogen worden ist — denn das kann ja nur das Central-nervensystem sein, die peripherischen Theile konnten ja nicht einzelnherauspräparirt werden — in eine knöcherne Kapsel eingeschlossen ist,und dass deshalb die Versorgung mit Blut weniger leidet, als dies beiden peripherischen Theilcn der Fall ist. Es kann also die Gesammtmcngedes Blutes bedeutend heruntergehen, ohne dass das Ccntraluervensystemwesentlich schlechter mit Blut versorgt wird, als dies im normalen Zu-stande der Fall ist.
Mit dieser geringen Abnahme des Nervensystems hängt die Längeder Zeit zusammen, während welcher ein Individuum der Inanitionwiderstehen kann. Ein sehr merkwürdiges Besultat, das Chossat gefundenhat, ist, dass der Tod in Folge des Verhungcrns ziemlich allgemein danneintritt, wenn die Thiore 0,4 ihres Gesamnitgewichtos verloren haben.Es ist dabei nach Chossat glcichgiltig, ob den Thicrcn das Futterganz entzogen wurde, oder ob sie unzureichend ernährt wurden. Imletzteren Falle leben sie natürlich länger, sterben aber auch, wenn sie0,4 ihres Gesammtgcwichtcs verloren haben. Es zeigte sich diese Zahlnicht nur bei Säugethieren und Vögeln, sondern auch bei Amphibien undFischen constant. Obgleich die Amphibien dreiundzwanzigmal länger lebten,so starben sie doch, wenn sie 0,4 ihres Gcsammtgewichtes verloren hatten.Es geht also daraus nichts Anderes hervor, als dass der Stoffwechsel inden Amphibien dreiundzwanzigmal langsamer war, und wir werden sehen,dass das ganz gut übereinstimmt mit andern Zahlen, die wir aus ver-gleichenden Untersuchungen über die Respiration der Amphibien und dieder warmblütigen Thiero gewonnen haben. Diese Zahl 0,4 wird nuralterirt durch den Zustand, in welchem das Thier in den Versuch hinein-ging. Wenn nämlich das Thier bereits mager war, so konnte es nichtmehr 0,4 seines Gewichtes verlieren, ehe es starb, wenn es aber sehrfett war, konnte es mehr als 0,4 verlieren, che es starb, begreiflicherWeise deshalb, weil der Fettverlust ohne Nachthoil ertragen wurde, undein fettes Thier einen Theil seines Fettes verbrennen konnte, ohne seinewesentlichen Schätze, die stickstoffhaltigen Substanzen der Organe, ingrösserer Ausdehnung anzugreifen. Es geht dem Organismus, wie demberühmten Töpfer Bernhard Palissy, der, nachdem er sein Holz ver-brannt hatte, zuletzt seinen Tisch und seine Stühle in die Flammenwarf, um das Feuer nicht ausgehen zu lassen.
In Rücksicht auf die Zeit, während welcher das Fasten ertragenwerden kann, haben namentlich die Beobachtungen am Menschen Interesse,und da zeigt es sich nach den Rechnungen, welche Molcschott aufGrund der von Tiedemann gesammelten Materialien angestellt hat, dassim Mittel aus achtzehn Beobachtungen das Fasten einundzwanzig biszweiundzwanzig Tage ertragen wurde. Die Zahl wird Ihnen sehr grosserscheinen; man muss aber dabei berücksichtigen, dass hier eine Reihevon Melancholikern mitgerechnet ist, die ungewöhnlich lange fasten, weil