Druckschrift 
1 (1875)
Entstehung
Seite
203
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Die Triebkräfte fiir den Lyraphstrom.

203

Fig. 28.

zunächst befinden, zu bevorzugen: denn die wahren Quellen des Lymph-stromes sind doch nur immer da, wo sieh das Material ansammelt,welches ihn speist, und dieses Material ist das ausgeschiedene Blut-plasma. Man könnte freilich auch alle Räume in den Geweben undOrganen, in denen das irrigirendo Plasma fortsickert, und aus denen esin die Lymphgcfässe gelangt, als Saftkanäleken bezeichnen, aber manwürde damit kaum das Passende getroffen haben, da diese Räume nichtalle die Gestalt und Eigenschaften von Kanälen- haben.

In den serösen Häuten gibt es nun auf den ersten Anblick ganzandere Lymphgefässe, oder Lymphgcfässe mit einer ganz anderen Art desAnfanges. Da findet man schöne Netze mit anscheinend geschlossenenWandungen, die ein zierliches und feines Maschenwerk bilden, sowohlauf der unteren Seite des Zwerchfells, als auf der Pleura. Auch dieseAnfangsnetzc der Lymphgefässe sind nur scheinbar geschlossen. Sie habendireote Communicationen mit den serösen Höhlen, v. Recklingkausenfand schon vor einer Reihe von Jahren, dass, wenn man einem lebendenKaninchen Milch in die Bauchhöhle injicirt, diese nach einiger Zeit dieLymphgcfässe des Zwerchfells anfüllt. Ebenso hat man am frisch ge-tödteten Thiere von der coneaven Seite des Zwerchfells die Lymphgefässedesselben injicirt, indem man durch künstliche Respiration einen wech-selnden Druck erzeugte.

Die sich hier füllenden Netze liegenunter der Oberfläche und communicirendurch eigene Öeffnungen, durch eigeneStomata, mit den serösen Höhlen. Ludwigund Sohweigger-Scidel haben dieseNetze mit löslichem Berlinerblau injicirt,und die Communicationen mit den serösenHöhlen auf Querschnitten dargestellt. Schi-leicht kann man sie an dem Peritoneumdes Frosches auffinden. Sie sind in Fig. 28nach Schweigger-Seidel und Dogielvon der Fläche gesehen dargestellt. Durcheinen Rest von contractilem Protoplasma,das sich die sie zunächst umgebenden

Zellen bewahrt haben, scheinen sie sich schliessen und öffnen zu können.In Fig. 28 zeigt a eiu geschlossenes, b ein halbgeöffnetes, c ein ganzgeöffnetes Stoma.

Ausserdem scheinen diese Netze auch mit interstitiellen Gcwebs-räumen zusammenzuhängen, die nur hier wegen der Festigkeit, mit derdas umgebende Gewebe gefügt ist, spärlich und eng sind. Die Haupt-masse ihres Inhaltes stammt jedenfalls aus den serösen Höhlen, ausdenen sie die überschüssig ausgeschiedene, ihrerseits aus den unter derOberfläche verbreiteten Blutgefässen stammende Flüssigkeit zurückführen.

Die Triebkräfte für den Lyniphstrom.

Wir haben gesehen, dass die Lymphe ihrer Hauptmasse nach derRest des in die Gewebe ausgeschiedenen Plasmas ist. Das Blutplasma wirdunter dem Drucke ausgeschieden, welcher in den Capillaren herrscht.