,!,
i
1
202
Wurzeln der Lyinpligefiisse.
die Lymphgefässc des Mesenteriums, und dabei sieht man, dass siehjede Zotte ja oft die ganze Darmschleimhaut in ihren interstitiellen(lewebsräumen mit Chylus antrinkt, so dass sie gleichsam einen Sumpfvon Chylus darstellt, und dass die Chylusgcfässo nun wie offene Abzugs-kanäle aus diesem »Sumpfe hervorgehen und sich mit Chylus füllen. Aberauch an verschiedenen andern Orten hat sich dasselbo gezeigt. Es warschon den älteren Anatomen bekannt, dass man manchmal bei der Ein-spritzung von Blutgefässen, namentlich wenn dieselbe bald nach demTode gemacht wird, Injectionen der Lymphgefässc bekommt, so schön,wie man sie sonst durch viele Mühe und Arbeit nicht darstellen konnte,einfach dadurch, dass sich Capillarextravasate bildeten und die Injoctions-masse, welche in das Gewebe übergetreten war, ihren Weg durch dieLymphgefässc zurückfand. Ausserdem hat Herbst schon vor längererZeit einen Versuch angegeben, den ich mehrmals wiederholt und immerbestätigt gefunden habe. Man injicirt einem lebenden Hunde Milch indie Jugularis, so viel er eben verträgt; man lässt sie am besten langsamdurch einen Trichter einfliesseu. Dann injiciren sich die Lymphgefässcüberall auf das schönste mit einer weisslichon Flüssigkeit. Auf der Lunge,auf der Leber kann man die oberflächlich liegenden Stämme mit blossenAugen verfolgen, und wenn man den Inhalt der Lymphgefässc untersucht,so findet man, dass eine grosse Masse von Milchkörperchen und Blut-körperchen darin ist. Es ist also klar, dass die Wände der Capillarennachgegeben haben, dass Milch und Blut mit einander gemischt in dieinterstitiellen Gewebsräume gelangt sind, und dass sie sofort vom Lymph-gefässsystem zurückgeführt wurden, was wiederum darauf hinweist, dassdas Lymphgefässsystem mit offenen Enden anfängt, indem nicht nurFlüssigkeit, sondern auch Milchkörperchen und Blutkörperchen auf diesemWege zurückgelangt sind. Dann ist es Ludwig gelungen, die Lymph-gefässe des Hodens bei Hunden vom Samenstrang aus zu injiciren, und erhat hier gefunden, dass die Injcctionsmasse in Räume gelangte, welche imBindegewebe zwischen den einzelnen Samenkauälchon liegen, und inwelchen sich auch die Capillargcfässe befinden, die Blutcapillarcn, vonwelchen die Samcnkauälchen umsponnen sind. Es hatte also hier diedirecte Erfahrung gerade das gezeigt, was man erwarten musste, nämlich,dass die Quellen des Lymphgcfässsystcms da liegen, wo die Capillarendes Blutgefässsystcms liegen. Denn die Lymphe ist ja eben das über-schüssig ausgeschiedene Plasma, und folglich müssen die Lymphgefässeihre Quellgebiete da haben, wo dieses Plasma ausgeschieden wird.
v. Recklinghausen hat in einer Reihe von Organen ein eigenesSystem von Kanälen, wie er sie nennt, Saftkanälchen beschrieben, kleineRäume, von denen die Gewebe durchzogen und durchgraben sind, und dieim Leben theils mit Flüssigkeit gefüllt sind, theils aber auch mit denFortsätzen von zelligen Elementen, welche noch ihre Contractilität bewahrthaben und Fortsätze in diese Räume hineinstrecken, eventuell sich auchin diesen Räumen fortbewegen. Speciell aus diesem Systeme von Saft-kanälchen hat man das Lymphgefässsystem abgeleitet. Wenn auch keinZweifel vorhanden ist, dass es mit dem Quellgebiete des Lymphsystemesin Communication ist und räumlich einen Theil desselben ausmacht,so ist es doch nicht gerechtfertigt, es vor anderen interstitiellen Gewebs-räumen, insonderheit vor den Räumen, welche sich den Blutcapillaren