198
Entwickclung der Lymphkörperchen.
Die Lymphe, welche durch die tiefen Lymphbahnen ihren Wegnimmt, passirt also kein freies Röhrensystem, sondern ein System vonlabyrinthartig verzweigten Bäumen, in welchen überall Netze gespannt sind,zwischen deren Haschen sich die Lymphe hindurchdrängen nmss, um indie Vasa efferentia zu gelangen.
Von den tiefen Lymphwcgeii aus gehen ferner in die Zcllenbalkonfeine Gänge hinein. Ich habe vorhin gesagt, dass Sie das Gerüst derZellcnbalken sich vorstellen können als dadurch entstanden, dass dieZwischenräume eines Kugelhaufens ausgegossen sind, dass Sic sich diesesGerüst aber selbst wieder als hohl denken müssen, so dass also jede Zellewelche in einem solchen Räume liegt, von einer eigenen, wenn auch nichtimmer vollständigen Kapsel umgeben ist, und die Kapseln wieder äusscr-lich mit einander theilweise verwachsen sind. Diese Hohlräume in demGerüste communiciren nun mit den tiefen Lymphwegen, indem sie vonallen Seiten als feine, unregelmässige Gänge in dieselben ausmünden. DieseGänge sind also auch während des Lebens mit Lymphe gefüllt, es gehenkeine Lymphkörperchen hinein, weil sie dazu zu eng sind, aber es gehtdie Lymphfiüssigkeit, das Plasma der Lymphe hinein. Diese Gänge sindzuerst nach einer Lymphdrüse, welche Ludwig von den Vasa inferentiaaus mit löslichem Berlinerblau injicirt hatte, von Kowalewski beschrie-ben worden, und sie führen nach ihm den Namen der Kowalewski'schenGänge.
Entwickelung der Lyniphkörperchei).
Die Lymphkörperchen entstehen in den Lymphdrüsen. Dafür kannman einen einfachen und sehr schlagenden Beweis liefern. Bei denreissenden Thieren sind alle Lymphdrüsen des Mesenteriums in eine grosseLymphdrüse gesammelt, in das sogenannte Pankreas Asellii, die halbmond-förmig an der Wurzel des Mesenteriums liegt. Wenn man nun Lympheaus den Lymphgofässen des Mesenteriums nimmt, welche in die Drüsehineingehen, so findet man in dieser Lymphe fast gar keine Lymph-körperchen. Es ist gut, das Thier — man wählt am liebsten eine Katze —mit möglichst fettfreiem Fleische zu füttern, weil dann der Chylus derVasa inferentia klar, wasserhell ist. Wenn man nun zu derselben Zeit denChylus der Vasa efferentia untersucht, so findet man, dass er trübe ist,dass er opalisirt, und unter dem Mikroskope sieht man, dass dies nurherrührt von einer sehr grossen Menge von Lymphkörperchen, die darinenthalten sind. Wenn also die Vasa inferentia diese Lymphkörperchennicht enthalten, so müssen sie offenbar aus der Drüse gekommen sein.Wir sind auch nicht in Verlegenheit zu sagen, woher sie kommen: dennwenn wir die ganzen Zellenmassen, von den Drüsenelemonten der Cor-ticalsubstanz an bis an die Oberfläche der einzelnen Zellenbalken hin, be-trachten, so finden wir lauter lymphoide Zellen, von ihrem ersten An-fänge als ein kleines Körnchen, bis zu ihrer vollständigen Ausbildung miteinem vollkommen entwickelten Protoplasmaleibe, und diese am meistenentwickelten Zellen liegen an der Oberfläche der Zellenbalken und be-grenzen unmittelbar die tiefen Lyniphbahncn. Es unterliegt also keinemZweifel, dass diese Zellen hier, nachdem sie ihre volle Reife erlangthaben, abfallen, dass sie vom Strome der Lymphe fortgespült und nun-mehr in den Vasa efferentia als Lymphkörperchen gefunden werden.