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Die Lymplie.
Die Lymphe.
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Es gab eine Zeit, in welcher man die Lymphe für ein Colliquamentder Organe hielt. Es hing das mit den damaligen Vorstellungen vomStoffwechsel zusammen. Man glaubte, dass sich aus dem Blute, welchesdie Organe durchströmt, die Substanzen ansetzen, sich in die Organehincinbilden, dort eine Zeit lang dienstbar sind, und, wenn sie unbrauchbargeworden, sich wieder verflüssigen und nun durch die Lymphgefässe fort-geführt werden. Es ist dies eine Ansicht, die wir heutzutage verlassenhaben. Wir wissen, daBs die Lymphe ihrer Hauptmasse nach der Restdes Blutplasmas ist, welches zur Irrigation der Organe, der Gewebegedient hat. Die eigentliche Ernährungsflüssigkeit für die Organe, für dieGewebe ist das Blutplasma, welches unter dem Blutdruck fort und fort durchdie Wandungen der Capillargefässe hindurchgeht. Dieses durchtränkt dieOrgane, und der Ueberschuss wird von einem Röhrensysteni, welchesüberall in die Organe hineingelegt ist, zurückgeführt, und dieses Böhren-system, dieses Drainagesystem, wenn ich mich so ausdrücken soll, ist dasLymphgefässsystem. Es ist dabei nicht ausgeschlossen, dass auch Productedes Zerfalls mit fortgeführt werden, die so wieder ins Blut gelangen undendlich ausgeschieden werden.
Es gibt also für das Blutplasma zweierlei Wege: der eine ist derWeg in geschlossenen Bahnen, der Weg von den Arterien durch dieCapillaren in die Venen hinein, und der andere ist der Umweg durch dieGewebe, indem ein Theil des Plasmas durch die Wandungen der Gefässehindurchgepresst wird, dann durch einen langsamen Filtrationsprocess alsGewebsflüssigkeit durch die Gewebe hindurchgeht, bis er mittelst desLymphgefässsystems wieder in die Venen zurückkehrt.
Die Flüssigkeit der Lymphe, das Plasma der Lymphe, enthält des-halb auch alle wesentlichen Bestandtheile des Blutplasmas, es ist nurquantitativ etwas anders zusammengesetzt. Es ist ärmer an Eiweiss-körpern, weil ein Theil der Eiweisskörper in den Organen verbrauchtworden ist: es ist ferner die Lymphfiüssigkeit relativ reicher an Wasserund an Salzen, und dann lehrt die Erfahrung, dass die Lymphe in derRegel stärker alkalisch reagirt als das Blutplasma. Die Lymphe scheidetbeim Gerinnen auch weniger Fibrin aus als das Blutplasma, sie zeigtauch weniger Neigung zum Gerinnen, so dass sie in der Regel in denLymphgefässen flüssig bleibt und erst, wenn sie aus diesen heraus-genommen wird, an der atmosphärischen Luft, langsam gerinnt. Es hängtdies wohl einerseits zusammen mit ihrer starken Alkalescenz, andererseitsauch mit ihrem Mangel an rothen Blutkörperchen. Denn, wenn mander herausgenommenen Lymphe eine ganz kleine Portion Blut, auchdefibrinirtes Blut, hinzusetzt, so gerinnt sie in kürzerer Zeit.
Die geformten Elemente der Lymphe sind die Lymphkörperchen,welche wir bereits im Blute unter dem Namen der farblosen Blut-körperchen kennen gelernt haben. Sie werden in den Lymphdrüsengebildet, und die Art, wie dies geschieht, werden wir bei den Lymph-drüsen näher kennen lernen. Die Lymphkörperchen selbst sind amoeboideZellen und haben als solche keine bestimmte Gestalt, indem sievermöge der Contractilität ihres Protoplasmas ihre Gestalt fortwährendändern, Fortsätze ausstrecken, dieselben wieder einziehen u. s. w. Sie