Die Lymphgofässe.
193
haben meistens keine einzelnen Kerne, sondern statt dessen einen Kern-haufen, der aus drei, zwei, auch vier Kernen besteht. Das Protoplasmazeigt sich in der Eegel mehr oder weniger körnig, aber es ist im ein-zelnen Falle schwer zu sagen, was von diesen Körnern dem Lymph-körperchen von Hause aus angehört, und was etwa aufgenommen ist.Durch einen ähnlichen Process, wie der, durch den sich die Amöben ernähren,nehmen auch die Lymphkörperchen von ihrer äusseren Oberfläche anderekleinere Körpcrchon, namentlich Petttröpfchen auf, daun auch, wennman ihnen dieselben darbietet, andere kleine Körnchen, welche ihnen nichtzur Nahrung dienen können, z. B. Zinnoberkörnchon. Sie sind im Blutenormaler "Weise in sehr viel geringerer Menge enthalten als die rothenBlutkörperchen. Krankhafter Weise kann sich aber, wie dies theils beiMilztumor, theils bei Hypertrophie der Lymphdrüsen geschieht, das Ver-hältniss umkehren, so dass die weissen Blutkörperchen in der Majorität,die rothen Blutkörperchen in der Minorität sind. Das ist dann derZustand, welchen man mit dem Namen des weissen Blutes bezeichnet.Sie sind beim Menschen und bei den Säugethieren grösser als die rothen.Blutkörperchen. Bei den Thiercn, die elliptische, kernhaltige Blutkörperchenhaben, bei den Vögeln, bei den beschuppten und nackten Amphibien undbei den Fischen, sind sie kleiner als die rothen Blutkörperchen. Ihr Ver-hältniss zu den rothen Blutkörperchen ist noch nicht festgestellt. Manhat freilich angenommen, dass sie sich durch eine Metamorphose in rotheBlutkörperchen umwandeln, oder, wie andere wollen, dass sie rothe Blut-körperchen in sich erzeugen: es sind dies aber Angaben, für welche bisjetzt noch kein Beweis vorliegt.
Die Lynipligefiisse.
Die Lymphgcfässc bilden ein verzweigtes, in seinen einzelnenTheilcn zum Theil netzartig mit einander verbundenes Böhrensystem,welches überall in die Organe eingelagert ist, und welches sich vor allenandern Gefässen auszeichnet durch die grosse Anzahl von Klappen, welchejede rückgängige Bewegung hindern. Die Klappen sind Taschenventile,die aus je zwei Taschen bestehen, ganz so wie bei den Venen; aber siestehen ausserordentlich viel dichter als in diesen, so dass, wenn einLymphgcfäss stark angefüllt ist, wenn sich die Lymphe darin stauet, das-selbe varicös, knotig erscheint, weil die Lymphe die Taschen ausbaucht,und die Taschen so dicht aneinanderliegen, dass das ganze Gefäss einperlschnurartiges Ansehen bekommt.' Man kann an den Lynrphgcfässenvon mittlerem Durchmesser, wie an den Arterien und an den Venen,drei Häute unterscheiden, eine Tunica intima, eine Tunica media undeine Tunica adventitia. Die Litima besteht zunächst aus einem Epithel,das dem Epithel der Blutgefässe insofern ähnlich ist, als es auch eineinfaches Pfiasterepithcl ist. Es unterscheidet sich aber von dem Epithelaller Blutgefässe dadurch, dass die Kerne weniger abgeplattet sind, dasssie ellipsoidisch sind und deshalb stärker gegen das Lumen des Gefässeshervorragen, als dies bei den Blutgefässen der Fall ist: auch sind dieeinzelnen Zellen nicht so wie bei den Blutgefässen in die Länge gezogen.Auf dieses Epithel folgt eine elastische Läugsfaserhaut, die der elastischenIntima der Blutgefässe entspricht, und bei den grösseren Lyniphgefässen
Brücke. Vorlesungen I. 2. Aufl. 13