Druckschrift 
Kurzes Lehrbuch der Nahrungsmittel-Chemie : mit 21 Abb.
Entstehung
Seite
374
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

374

Die Genußmittel.

Über Behandlung von frisch bereitetem Essig: J. Bersch, Ztschr. landw.Gew. 1888. 8, 16.

Wirkung des Essigs auf die Verdauung.

Essig steigert die Peristaltik und erzeugt leicht Diarrhöen; dieAmylumVerdauung und die Peptonisierung werden durch ihn verlang-samt, daher im Gebrauch desselben Maß zu halten ist.

Siehe noch A. Stutzer, Landw. Versuchsst. 38, 257.

Verunreinigungen, Verfälschungen des Essigs. Verunreinigtkann der Essig sein durch Metallsalze, die derselbe aus den Auf-bewahrungsgefäßen oder von den Abzapfhähnen, Trichtern, Gummi-schläuchen aufgenommen hat.

Gefälscht wird Essig durch Zusatz von Wasser, von Minoral-säuren oder organischen Säuren, von scharfen Pflanzenextrakten, schäd-lichen Farbstoffen, sowie durch Beimischung minderwertiger Sorten(Spritessig) zu besseren Sorten (Weinessig).

Untersuchung des Essigs.

Probeentnahme. Essigproben sind in einer Menge von etwa1 L Liter in mit Korkstopfen verschlossenen Flaschen einzusenden.y 1. Spezifisches Gewicht, Extrakt und Asche werden in gleicher

Weise wie beim Weine bestimmt. Einzelne Mineralbestandteile (K 2 0; l' 2 O ß )bestimmt man in bekannter Weise.

2. Säuregehalt. Derselbe wird bestimmt durch Titration von 10bis 20 ccm Essig mit Normalalkali unter Zusatz von Phenolphtalein alsIndikator oder bei stark gefärbten Essigproben unter Anwendung dersog. Tüpfelmethode auf Lackmuspapier. 1 ccm Normalalkali = 0.06Essigsäurefed*y (C 2 H 4 0 2 ).

Zur Umwandlung der so gefundenen Volumprozente in Gewichts-prozente dividiert man die für 100 ccm Essig gefundene Menge Essig-säurehydrat durch das spezifische Gewicht.

:i. Freie Mineralsäuren, a) Behufs qualitativen Nachweises löstman 0.1 g Methylviolett (B 2, Nr. 56 der Farbenfabrik Bayer u. Co.in Elberfeld) in 1 Liter Wasser und setzt zu 2025 ccm Essig, de 1 "auf 2 °/ 0 Essigsäuregehalt verdünnt ist, 45 Tropfen dieser Lösung-Bei Gegenwart von Mineralsäuren tritt Grün- oder Blaufärbung ein.H. Stockmeier, Ber. üb. d. 4. Vers. bayr. Vertr. d. angew. Chem.1885, 6.

Ein Vergleich mit einer mit Mineralsäure versetzten Essigprobe istzu empfehlen.

Zusatz einiger Tropfen verdünnter Tropäolinlösims (TropÄolin 00) zu mineral-säurehaltigem Essig zieht das Auftreten roter Wolken (Fällung) nach rieh-K. Heumann, Berl. Ber. 1881. 14, 286. Vergl. T. Gigli, Annuario dellaSoc. chim. di Milano 1899. 5, 27; Chem.-Ztg. 1899. 23, Eep. 301.

Gibt man zu 1 ccm Essig 1 Tropfen einer alkoholischen Rosanilinchlor-hydratlösung (25 g Fuchsin in 100 ccm 90 proz. Alkohol), so färbt sich die Flussig'