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Kurzes Lehrbuch der Nahrungsmittel-Chemie : mit 21 Abb.
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Ernährung.

Die hier stattfindenden Prozesse haben den Charakter der hydro-lytischen Synthese (Bildung von komplizierten Körpern aus einfachenunter Austritt von Wasser), im Gegensatze zu der bei der Verdauungstattfindenden hydrolytischen Spaltung (Zerfall komplizierter Verbin-dungen unter Wasseraufnahme in einfachere).

Die von den Blutgefäßen des Magens und des Darmes resorbiertenStoffe werden zunächst durch die Pfortader der Leber zugeführt. Überdie einleitenden Assimilationsvorgänge (vielleicht in der Leberj istfolgendes festgestellt.

1. Die Eiweißkörper werden im Verdauungskanal durch die Ver-dauungssäfte in lösliche Eiweißstoffe und in Peptone verwandelt. Manhat früher angenommen, daß der Resorption der Proteinsubstanzen stetseine Peptonisierung vorangehen müßte, daß die nicht diffusiblen nativenEiweißstoffe in diffusible Peptone umgewandelt werden müßten, um dieDarm wand passieren und in die Blutbahn gelangen zu können; alleines ist festgestellt, daß die meisten Eiweißkörper, ohne Peptonisation, imgenuinen oder denaturierten Zustande die Darmwand passieren können.Nach Versuchen von C. Voit und J. Bauer 1 werden gelöstes Muskel-fleisch und saurer Fleischsaft (Acidalbumin), sowie auch andere gelösteEiweißkörper, per clysma injiziert, von der Dickdarmschloimhaut auf-gesaugt; im Dickdarm findet aber keine Peptonisation statt. Nichtdirekt assimilierbar sind das genuine Eieralbumin, Kasein, Hämoglobin,Glutin. 2

Die Eiweißverdauung bringt die direkt assimilierbaren Eiweißstotfeals solche oder als Syntonin in Lösung, die nicht direkt assimilierbarenStoffe dagegen werden so umgeformt, daß aus ihnen resorbierbare ent-stehen; außerdem aber wird zu noch unbekanntem Zwecke ein wechselnderTeil der Eiweißstoffe in Albumosen und Peptone gespalten.

Diese Albumosen und Peptone müssen, bevor sie in den Blutstromaufgenommen werden können, nochmals eine Umformung erfahren, umassimilierbar zu werden. Peptone und Albumosen sind im Blut undChylus, in den Säften und Geweben nicht nachweisbar; diese Körpermüssen als Fremdkörper in der Säftemasse angesehen werden; in dasBlut eingespritzte Albumosen und Peptone werden sofort wieder durchden Harn ausgeschieden, größere Mengen wirken giftig. Es ist nundurch eine Reihe von Versuchen nachgewiesen (0. Ludwig und G. Sal-violi, F. Hofmeister 3 ), daß wirklich eine Umbildung der Peptonein der Darmwand stattfindet, bevor dieselben in das Blut übertreten.Diese Umformung findet wahrscheinlich in dem Epithel der Schleimhautstatt, über die Natur derselben ist nichts Sicheres bekannt. Die neueren

1 C. Voit ü. J. Bauer, Über d. Aufsaugung im Dick- und Dünndarm, Ztschr.f. Biol. L869. 5, 562. 2 Literatur siehe R. Neumeister, 1. c. 301.3 Gaetano Salvioli, Du Bois' Arch. 1880, Supplem. 112; F. Hofmeister,D. Verhalten des Peptons in der Magenschleimhaut, Ztschr. f. phys. Cham. 1882.6, 69; siehe R. Neumeister, Lehrb. d. phys. Chem. 310 u. 811.