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Fügt man zu dieser Lösung Salzsäure, so tritt, wenn die Lösungnicht zu verdünnt und auf null Grad abgekühlt ist, Entfärbung ein,wenn die Hälfte der Soda neutralisiert ist. Bei gewöhnlicher Tem-peratur beobachtet man keine scharfe Entfärbung der Lösung, sondernnur ein allmähliches Ablassen derselben. Eeinstes Natriumbikarbonat,in eiskaltem Wasser gelöst, färbt Phenolphtalein nicht; bringt manes auf Zimmertemperatur, so tritt Botfärbung ein, die beim Abkühlenauf null Grad wieder verschwindet (Küster).
Kieselsäure scheint ohne Einfluß auf Phenolphtalein zusein, da Alkalisilikate (Wasserglas) sich mit Phenolphtalein glatttitrieren lassen.
Chrom säure und saure Chromate gehen durch Alkalienglatt über in neutrale Chromate, welche auf Phenolphtalein nicht ein-wirken.
Alkalialuminate lassen sich leicht und genau mit Phenol-phtalein titrieren, da Aluminiumhydroxyd ohne Einwirkung aufPhenolphtalein ist.
Fast alle Aufgaben in der Alkalimetrie und Azidimotrie könnenmit zwei Indikatoren, nämlich Methy 1 orange und Phenol-phtalein gelöst werden. Für Näheres über zahllose andere In-dikatoren verweise ich auf Dr. Fr. Glasers „Indikatoren der Azidi-motrie und Alkalimetrie", Wiesbaden 1901.^
Normallösungen.
Man hat viele Substanzen als Grundlage der Alkalimetrie undAzidimotrie vorgeschlagen, die alle mehr oder weniger ihren Zweckerfüllen. Gay-Lussac war es, der zuerst empfahl, die Säuron aufchemisch reines kalziniertes Natriumkarbonat zu stellen,und die Einfachheit und Genauigkeit dieser Methode wird von keineranderen übertroffen 2 ); ich will mich daher begnügen, nur diese hierzu schildern.
Das chemisch reine Natriumkarbonat muß sich klar in Wasserlösen und darf weder Schwefelsäure noch Chlorwassorstoffsäure ent-halten. Manche Fabriken liefern ganz reine Soda, meistens aberwird man die Handelsware reinigen müssen. Zu diesem Zwecke löstman ca. 300 g kristallisierte Soda in 250 cem Wasser von 25—30° C,filtiert rasch in einen ca. 2 l fassenden Erlenmeyerkolben von jenenserGlas, verdrängt die Luft durch Kohlendioxyd 3 ) und verschließt hier-auf mit einem einfach durchbohrten Gummipfropfon, durch welchen
J ) Vgl. auch J. Wagner, Zeitschr. für anorg. Ch. XXVII (1901), S. 138.
2 ) Ebenso genau lassen sich die Säuren mittels Natriumoxalat nachSörensen einstellen. Vergl. Seite 464.
s ) Vor dem Eintreten in den Erlenmeyer-Kolben, passiert das Kohlen-dioxyd eine mit Natrinmbikarbonatlösung beschickte Waschflasche.