Morphologie.
11
ticae) bieten uns zum Teil noch bandartige Vegetationskörper ohne fort-geschrittene Gliederung, enthalten aber auch schon Formen, welche eine solcheGliederung aufweisen. So stellt die Fig. 10 zunächst ein gabelig verzweigtesLebermoos mit bandartigem Thallus vor, die Riccia fluitans. Dieses Leber-moos erinnert in seinem Habitus, d. h. in seinem Aussehen, an die von unszuvor betrachtete braune Alge Dictyota dichotoma (Fig. 8). Ein anderesLebermoos, die Blasia pusilla (Fig. 11), zeigt an seinem bandförmigen Körperseitliche Einschnitte. In Plagiochila asplenioides (Fig. 12) tritt uns endlichein Lebermoos entgegen, das eine ganz analoge Gliederung in stamm-und blattähnliche Gebilde aufweist, wie sie den höchst organisiertenPflanzen zukommen. Da man trotz aller dieser Mannigfaltigkeit der Aus-bildung und der Höhe, die sie zu erreichen vermag, den Körper der niederenGewächse als Thallus bezeichnet, so faßt man sie als Thallophyten zu-sammen, um ihnen die höheren Gewächse alsKormophyten gegenüber zu stellen.
Kormus. Als Kormophyten werden miteineinander alle Pflanzen von den farnartigenGewächsen oder Pteridophyten aufwärts ver-einigt. Von diesen Pflanzen läßt sich annehmen,daß sie einen gemeinsamen Ursprung haben,daß somit ihre übereinstimmende Gliederungauf Homologie beruht. Außer der Sonde-rung ihrer Sprosse in Stamm und Blatt, weisensie zum ersten Mal auch echte Wurzeln auf,während alle moosartigen Gewächse, auch diehöchst entwickelten, an Stelle von Wurzeln nurzarte Fäden, d. h. Rhizoide (Fig. llr) aufweisen,mit denen sie auf ihrer Unterlage befestigt sind.Die bei den farnartigen Gewächsen zum erstenMale auftretenden Wurzeln stellen aber meistzylindrische, an ihrem Scheitel fortwachsendeGebilde dar, die abgesehen von einem bestimmteninneren Bau, sich in ihrer äußeren Gestaltungvon dem Sproß dadurch unterscheiden, daß ihrVegetationskegel mit einer Hülle, der sog. Wurzelhaube oder Kalyptra,
„ ist und keine Blätter bildet. Der mit Stamm, Blatt und Wurzelausgestattete Körper der höheren Gewächse wird als Kormus bezeichnet,cianer heißen diese Pflanzen Kormophyten.
rvft ™° lpll0se der Grundformen der Kormophyten. Nach vollzogenerDifferenzierung in Stamm und Blatt und dem Auftreten von Wurzeln, fandweiterinn im wesentlichen nur noch eine mehr oder weniger tiefgreifendeV eränderung jener Grundformen, oder Grundglieder des kormophyten Pflanzen-körpers, d. h. deren Metamorphose (S. 6) statt. Diese konnte in einzelnenFällen so weit reichen, daß ein der einen Grundform entstammendes Gebildedie Merkmale der anderen völlig annahm.
Die oft ganz auffälligen Beziehungen homologer Glieder konnten auch früher nichtunbemerkt bleiben. Sie regten zu Vergleichen an, bevor noch in der Phylogenie einereale Basis für solche Vergleiche gewonnen war. So bildete sich seinerzeit eine reinidealistische Gestaltenlehre in der Botanik aus, die ihre höchste künstlerische Ent-wicklung in Goethes Metamorphosenlehre, ihren wissenschaftlichen Abschluß in denArbeiten von Alexander Braun fand. — Die Mannigfaltigkeit der Gestaltung aufden Gebieten der niederen Gewächse erschwerte bei ihnen die Aufstellung abstrakterGrundformen; deshalb baute sieh die ganze äußere Morphologie der Pflanzen aus
Fig. 12. Plagiochila asplenioi-des mit Sporogon s. Nat. Gr.