Druckschrift 
Der Wiederaufbau und die deutsche Wissenschaft : Festrede, geh. bei der Feier der Hamburgischen Universität zur Erinnerung an die Gründung des Deutschen Reiches am 18. Januar 1923
Entstehung
Seite
9
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

9

Schulbücher bemüht sich übrigens gegenwärtig erfolgreich der bekannteLeipziger Verlag von Koehler & Volckmar.

Um Lateinamerika mit deutschem Denken und Fühlen be-kanntzumachen, wären auch Uebersetzungen kleiner Erzählungen guterdeutscher Schriftsteller, wie Gottfried Keller, Fontane, Liliencron,Raabe usw. recht empfehlenswert; auch Bücher über die Heldentateneines von Mücke, Lettow-Vorbeck, Weddigen, Grafvon Luckner usw. würden eine spannende, gern gelesene Jugend-lektüre liefern und geeignet sein, das heranwachsende Geschlecht mitAchtung vor dem deutschen Namen zu erfüllen. Dagegen glaube ich,daß Uebersetzungen größerer Werke von ausgesprochenpolemisch-politischer Tendenz, wie solche über dieSchuld-frage" u. dgl., drüben herzlich wenig Leser finden würden; überhauptdürfte in politischen Tagesfragen eine geschickte Heranziehung derlokalen Presse das für unsere Bestrebungen wirksamere Mittel sein.

Was durch eine gut organisierte Einwirkung auf dieAuslandspresse erreicht werden kann, haben wir zu unseremgroßen Schaden ja während des Weltkrieges gerade genugsamerfahren müssen, und hoffentlich werden wir davon lernen!Unsere eigene Presse sollte andererseits nie vergessen, daß zwarpatriotisch gemeinte, aber über jedes vernünftige Maß und Ziel weithinausschießende Pläne unerfahrener Heißsporne, wenn sie in unserenZeitungen überhaupt erwähnt werden, sofort von der gegnerischenPressepropaganda aufgegriffen und in den beteiligten Länderndann als Meinung des ganzen deutschen Volkes zur Hetze gegen unsausgeschlachtet werden, während man die Meinung unserer verständigenMehrheit natürlich geflissentlich verschweigt. Man muß an richtigerStelle auch schweigen können!

Je mehr wir statt durch schöne Worte durch das Gewichtnackter Tatsachen zu wirken suchen und je weniger aufdringlichwir arbeiten, um so besser: Phrasen, wie das Ausposaunen des ansich ja vielleicht recht schönen Wortes, daß die anderen Völkeramdeutschen Wesen genesen" sollten, beleidigen das fremde National-gefühl und machen uns nur lächerlich! Zu Vortragsreisen nachdrüben gesandte deutsche Gelehrte können jedenfalls auch dann demDeutschtum recht viel nützen, wenn sie einzig und allein ihre Wissen-schaft den Fachleuten darbieten; sie werden nicht nur auf verständnis-volle, sondern auch dankbare Hörer rechnen können, wenn sie sichdurch ihnen in diesen so gastlichen Ländern dargebrachte Huldigungennicht dazu verleiten lassen, zu vergessen, daß sie vor wissenschaftlichdurchaus gleichberechtigten Kollegen sprechen, von denen sie auchihrerseits recht viel lernen können: Denn es gibt auch dort rechttüchtige Gelehrte! Ueberhaupt hat dem Deutschen im Verkehr mitAusländern wohl nichts so sehr geschadet, als ein gar nicht bös ge-meinter, aber anmaßend und verletzend klingenderschulmeisterischer"Ton, in den wir so leicht verfallen, und durch den der gute Eindruck,den die Deutschen aller Kreise durch ihr Wissen zu machen pflegen,nur zu oft ins Gegenteil verkehrt wird. Andererseits wird aber nochheute, mehr als ioo Jahre nach seiner dortigen, auf naturwissenschaft-