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Dollar ist dort — ebenso wie übrigens auch schon seit langem in West-indien und jetzt ja auch leider bei uns! — in Wahrheit der Wertmesserfür alle Waren. Aber die unaufhaltbare Expansionspolitik der VereinigtenStaaten, die schon um des Panamakanals willen das Caribische Meer zueinem nordamerikanischen „Mare clausuni" zu machen bestrebt ist, unddie den kleinen zentralamerikanischen Staaten auch noch den letztenRest ihrer politischen Unabhängigkeit zu rauben droht 1 ), diese Politik derVereinigten Staaten wird ihren latino - amerikanischen Nachbarn nachgeraderecht unheimlich. Jedenfalls ist der Nordamerikaner dort zwar rechtangesehen und vor allem sehr gefürchtet, aber beliebt kann er unterdiesen Umständen naturgemäß nicht sein, wozu auch beitragen mag, daßsein kurz angebundener Verkehrston dem verbindliche Umgangsformensehr schätzenden Latino-Amerikaner nicht liegt. Durch die „PanamericanUnion" wird aber eine geschickte und auch erfolgreiche Kulturpropagandavon Washington aus betrieben, und Englisch bürgert sich schon alsGeschäftssprache immer mehr ein.
Die Deutschen, darunter viele Hanseaten, sind seit langer Zeit indiesen Ländern tätig, und der deutsche Kaufmann, Pflanzer, Ingenieur,Handwerker, Pädagoge und Arzt haben sich durch Zuverlässigkeit, Gründ-lichkeit und Tüchtigkeit das Vertrauen und die Sympathie der Bevölkerungerworben, zumal sie es verstehen, sich in die Landessitten einzufügen; inmehreren Staaten sind die führenden Handelshäuser in deutschen Händen.Die mannigfachen freundschaftlichen und auch verwandtschaftlichen Be-ziehungen zwischen den eingesessenen Deutschen und den Einheimischenhaben es dann ihrerseits zuwege gebracht, daß man in diesen Ländernauch mehr und mehr Interesse für Deutschland, seine Kultur und seineWissenschaft gewonnen hat. Viele Latino-Amerikaner schicken jedenfallsnicht nur ihre Kinder auf die sich trefflichen Rufes erfreuenden deutschenSchulen der dortigen Hauptstädte, sondern lassen auch ihre Söhne inDeutschland studieren. Während also Frankreich seinen kulturellenEinfluß auf diese Länder in erster Linie alter geschichtlicher Ueberlieferungverdankt, haben sich unsere Auslandsdeutschen die Anerkennung derdeutschen Kultur dort selbst erkämpft: Denn das offizielle Deutsch-land hat ja vor dem Kriege — wo das noch so leicht gewesen wäre! —im Gegensatz zu anderen Staaten für seine dortigen Interessen herzlichwenig getan!
Auch haben die Sympathien für Deutschland in diesen Ländern trotzder unerhörten Hetzpropaganda der Feindbundpresse, trotz aller Hetz-filme usw. wohl eher zu- als abgenommen. Vorgänge, wie die Drohungder Vereinigten Staaten, El Salvador die Lebensmittelzufuhr abzuschneiden,um es dadurch in die Reihe unserer Gegner zu zwingen, ferner derstarke, auf Venezuela ausgeübte Druck, uns seine alte Freundschaft zukündigen, eine solche Politik wird zum mindesten bei diesen trotzdemneutral gebliebenen Staaten die Stimmung für Deutschland eher gefördertals geschädigt haben. Und dann steckt in dem Latino-Amerikaner dasaltspanische Hidalgoblut, so daß er einem ritterlichen Volke, das
i) Nur Mexiko kann sich von den zentralamerikanischen Ländern mehr alseinen „rein platonischen" Widerstand leisten.