Druckschrift 
Erg.-Bd. (1884)
Entstehung
Seite
1235
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Viola. Viscum.

1235

mit soviel Wasser nackgewaschen, dass die Colatur 100 g beträgt. Diese Colaturwird flltrirt und in völlig gefüllten, mit paraffinirten Korken dieht geschlossenenFlaschen (als Extractum ad syrupum Violae) aufbewahrt. 1 Th. dieser Cola-tur mit 9 Th. eines consistenten Syrupus Sacchari gemischt liefert ex temporeeinen vortrefflichen und haltbaren Syrupus Violae.

Flores Violae odoratae. Die frischen entkelchten Blüthen können in Formeiner Conserve lange Zeit gehalten werden. 100 Th. dieser Blüthen werdenin einem steinernen Mörser zerquetscht und dann mit 300 Th. grobgepulvertemRaffinade-Zucker, 60 Th. absolutem Weingeist und 40 Th. reinemGlycerin gemischt und an einem schattigen Orte in dicht geschlossenem Ge-fäss aufbewahrt. 5 Th. dieser Conserve entsprechen einem Th, der frischenBlüthen.

Herba Violae fticoloris (Handb. II, 8. 1267). Von Mandelin wurde indiesem Kraute Salicylsäure aufgefunden, auch ein eigentümlicher gelber Farb-stoff, ferner eine auffallende Menge Magnesiumtartrat (in der bei Dorpat ge-wachsenen Pflanze). Die wildwachsende Pflanze enthält mehr Salicylsäure alsdie in Gärten gezogene. Es scheint in dieser und einigen anderen Viola-Artenein glykosidischer Körper vertreten zu sein, von welchem beim Kochen in ver-dünnter Salzsäure Salicylsäure abspaltet. (Archiv der Pharm. 1882, 1. Hälfte,S. 378.)

Viscum.

Beim Aufkochen des Viscum album mit Salpetersäure versetztem Wassersonderte B. Pavlevsky eine in monoklinischen Nadeln krystallisirende, schwerin Wasser lösliche, in Weingeist und Aether unlösliche, zwischen 101 und 103 °schmelzende, in der Zusammensetzung der Formel (CH 3 0 ;j )xHO entsprechende Säureab, welche mit Ca, Ba, Pb und Ag wohl charakterisirte Salze lieferte (ehem.Centralbl. 1880, S. 707).

Von 0. Hesse wurde aus Calycium chrysoeephalum , einer auf Eichen,Birken, Kiefern vegetirenden gelben Flechte, durch kochendes Ligro'in eine gelbekrystallisirende Substanz ausgezogen, welche den Namen Calycin erhalten hat.(Bericht d. d. ehem. Ges. XIII, S. 1816).

Nach einem Berichte des Dr. Long zu Louisville (Nord-Amerika) soll Vis-cum album dieselbe Wirkung haben wie Mutterkorn, Wehen bewirken undMutterblutungen noch kräftiger hemmen. Nach Angaben Ckossier's soll diesesViscum eine andere Loranthacee, Pharodendron flacescens Nuttal, sein, welchein Nord-Amerika in Stelle des Viscum album im Gebrauch ist.

Viscum viride, grüner Vogelleim. Die reifen Mispelbeeren werden zer-quetscht und mit Wasser zu einem dünnen Breie angerührt, von den Kernenmittelst eines Siebes befreit und die Flüssigkeit zu gehöriger Consistens einge-dampft.

Vogel leim zu conserviren, soll man denselben nach Gawalovski s Angabemit Wasser bedeckt halten, welches >/ 2 Proc. Schwefelsäure enthält. In derFarbe verdorbener Vogelleim soll mit einer Lösung von lg Kaliumdichromat, 2gSchwefelsäure und 100g Wasser gehörig durchknetet und damit macerirt werden.(Rundschau f. d. Interess. der Pharm, etc. 1881, S. 764).

Vogelleimersatz ist eine in der Wärme hergestellte Mischung aus je 10 Th.Leim und Wasser, versetzt mit 12 Th. Zinkchlorid.

--------------- 78*