1230
Vinuni. Gegypste Weine.
Verbreitung der Krankheit inhibirt (in Folge Bildung von Schwefligsäure). (Landw.Vers.-St. 25, 1—4. März. Geisenheim.)
Weine, gegypste. Das Gypsen der Weine wurde schon von den alten Griechenund Römern geübt und ist eine über 2500 Jahre alte praktische Methode, ge-ringe Weine zu guten trinkbaren und haltbaren Weinen zu machen. Dass jedesUebermaass, man mag es antreffen wo man will, schädlich ist und sein kann,wird Niemand bezweifeln, so auch hier. Uebermässig gegypste Weine sind zuverwerfen. Dieser Ansicht folgend, lässt die Militärverwaltung in Frankreich Weinezu, deren Kaliumsulfatgehalt im Liter 2 g nicht übersteigt. Fi über hatte siesogar als äusserste Grenze 4g bestimmt. Durch das Gypsen wird nämlich derWeinstein in Kaliumsulfat und Calciumbitartrat umgesetzt. Nur die noch inihrer Ausbildung begriffene analytische Chemie der Nahrungs- und Genussmittelerkannte einige Male in dem Gypsen der Weine einen Betrug, eine Fälschung;und wurden Weinhändler bestraft, weil sie gegypsten Wein auf Lager hatten.Eine Bestrafung ist wohl dann nur im Rechte, wenn der Verkauf gegypsterWeine auch gesetzlich verboten ist. Dazu kommt, dass die massig gegypstenWeine in mancher Beziehung der Gesundheit zuträglicher sind als die nichtgegypsten, denn der häufige Genuss der gegypsten Weine hat nie Steinkrankheit(Lithiasis) zur Folge, wovon man sich überzeugen kann durch das häufige Vor-kommen dieser Krankheit in den Rhein - Gegenden und in dem Fehlen dieserKrankheit im südlichen Frankreich, wo fast nur gegypste Weine genossen werden-Dass bei massigem Genuss von 2—3 g Kaliumsulfat im Liter irgend ein Nacli-theil für die Gesundheit entstehen könnte, muss doch bezweifelt werden, yie *'mehr bieten sie den Vortheil, die Leibesöffnung rege zu erhalten. (Hager)-
Das Gypsen der Weine bezweckt eine Verhinderung der Nachgährung;Klärung, Conservirung des Weines, Verbesserung des Geschmackes und e ineintensivere Färbung des Rothweines. Um die Naturweine vor Krankheiten zuwahren und sie dauerhafter zu machen, setzen die Weinküfer diesen Weine»5—25 Proc. gegypsten Wein hinzu. Diese Zumischung bewirkt ein Absetze»der Hefetheile und dadurch wird die Nachgährung verhindert. Diese Methodedürfte wohl eine appetitlichere sein als die Schönung mit Blut, Leim, Gerbsäure»das Zusetzen von Salicylsäure oder andere unappetitliche Heilmethoden. Du 1 ' 6stark gegypste Weine kommt der französische Weinbauer in die Lage, seine Wein-vorrathe vor einer Menge Krankheiten (z. B. Umschlagen) zu schützen, welcßseine Ernte, ja seinen Wohlstand mit Vernichtung bedrohen. ,.
Kaliumsulfat unterstützt die Löslichkeit der Hefetheile und damit istNachgährung und mit ihr ein Bitterwerden, Trübewerden und FadenziehenWeines verhindert. ,
Das Gypsen der Weine ist nur eine praktische Methode der Weinbehanlung, welche Methode die Weine des südlichen Frankreichs und nördlicnSpaniens zu trink- und haltbaren Weinen macht. Es giebt sogar Liebhabefür diese gegypsten Weine, welche nur diese Weine trinken und sich sehr wound gesund dabei befinden. Nur bei Mangel an Ueberleguug kann in den massiggegypsten Weinen Betrug und Fälschung erblickt werden. .,
In der Schweiz wurde (1882) eine Commission, bestehend aus den ChemikcNencki, Lichtheim und Lüchsingeb, beauftragt sich über gegypste Weinezüglich deren Gesundhoitsschädlichkeit zu äussern. Diese Commission seil J5folgende Formulirung der gesetzlichen Bestimmung vor: „Die Piatrage darfden Umfang haben, dass dem Weine höchstens 2g Kaliumsulfat im Iiter zug^führt werden, doch ist Jedermann, welcher Naturwein kauft, berechtigt, Wzurückzuweisen, welcher mehr als 0,6g Kaliumsulfat im Litev enthält." Di