Unna. Phenol.
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Das dunkelfarbige Niveau gestandenen Pferdeharnes ist Folge von Brenz-cateehin und auch anderer Spaltungsproducte des Tannins, wie Baumanndurch Experiment feststellte (Archiv d. Physiolog. XII, 63). Zur Abscheidungdes Brenzcatechins wird der Harn mit Essigsäure versetzt und mit Aether aus-geschüttelt. Der Aetherauszug eingedampft hinterlässt eine harzige braunschwarzeMasse, welche mit Wasser gelöst und dann filtrirt wird. Das Filtrat wird durchwenige Tropfen Bloiacetat von der färbenden Substanz befreit, das Filtrat mitAmmoniumcarbonat neutralisirt und nun mit Bleiacetat gefällt. Der mit H 2 Sentbleite Niederschlag ergiebt in Wasser eine Lösung, welche eingedampft, mitBariumoxyd neutralisirt und dann mit Aether ausgeschüttelt wird. Der Ver-dampfungsrückstand der Aetherlösung wird in Wasser gelöst und nun zu denReactionen verwendet. Ferrichlorid färbt intensiv grün, auf Zusatz von Natrium-bicarbonat violett. Aetznatron oder Aetzammon färbt braun bis schwarzbraun,ammoniakalische Silberlösung wird sofort reducirt. Pferdeharn enthält ausserHrenzcatechin noch eine Substanz, welche mit Salzsäure behandelt Brenzcatechinliefert und aus dem essigsauren Harne mit Aether ausgeschüttelt werden kann etc.
Der Harn von Rindern und Pferden enthält reichlich Phenol und Tauryl-säure, welche letztere mit Kresol identisch ist. Beide sind im Harne als dieLeichtspaltbaren Phenylschwefelsäure und Kresylschwefelsäure vertreten. DerGehalt daran ist bei den Thieren ein minimaler, welche in Käfigen gehalten odermit Kartoffeln und Hafer gefüttert werden (Centralbl. d. med. Wiss. 1878.S. 563 u. f.).
ENGEL hält das Phenol im Haine für ein Verdauungsproduct durch dieBauchspeicheldrüse aus den eiweissartigen Stoffen. Bei der Fäulniss der Eiweiss-stoffe entsteht neben Indol stets auch Phenol. Tyrosin in die Verdauungswegeeingeführt ergab im Harne eine Vermehrung von Kaliumphenylsulfat. Benzolliefert in gleicher Weise Phenol, und Phenol bildet unter SauerstoffaufnahmeHydrocbinou und Pyrocateehin, welche Stoffe in alkalischer Lösung sich an derLuft bräunen. Dieser Vorgang erklärt das Entstehen brauner Harne (Archivder Pharm. 1880, 2. Hälfte, S. 312).
Nach Vergiftung mit Phenol findet man im Harne Hydrochinon«',,11,0,11,0).
Zur Bestimmung des Phenols und Kiesols wird ein Liter Harn mit 100 comverdünnter Schwefelsäure gemischt, destillirt und das Destillat mittelst BromWassers gefällt. Das ausgeschiedene Tribromphenol wird mit bromhaltigem Wassergewaschen, über Schwefelsäure getrocknet und gewogen. .1. MüNK fand in einemMenschenharne von 24 Stunden nach vorwiegend animalischer Kost 0,006 gTribromphenol, in lOOOccm Pferdeharn dagegen 5,214g. Bei reichlichem (ienusseVegetabilischer Speisen stieg der Phenolgehalt im Harne auf das 3—8-fache. Nachdem (ienusse von Benzol vermehrt sicli die Menge des Phenols im Harne, nichtaber nach dem Genüsse von Phenol (ph. Centralh. 1876 S. 418). Der erwachsene,Mensch secernirt in 24 Stunden mit dem Harne durchschnittlich 0,015g Phenol.
Ueber die Erkennung und Bestimmung des Phenols im Harne existirt einesehr ausführliche Arbeit von Cloktta und Schaer im Archiv der Ph. 1881,1. Hälfte, S 241 — 271, im Auszuge in ph. Centralh. 1881, S. 271. DasDestillat des mit Schwefelsäure versetzten Harns wird 1) durch Hromwasserunter Bildung von Tribromphenol getrübt. Der Niederschlag in Weingeistumkrystallisirt bietet besondere Mikro-Krystallformen. — 2) Das erwärmteDestillat erfährt durch Zusatz von '/,, Vol. Mercuronitratlösung und 1 — 2Minuten dauerndes Sieden nach dem'Erkalten eine hellblutrothe oder hellcar-moisinrothe Färbung. — 3) Die Ammoniak-Brom-Reaction besteht darin,