Urina. Gährung. Aceton.
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säure. Diese kann möglicher Weise schon präformirt vorhanden sein, zumTheil entsteht sie aus der Fermentwirkung der Spaltpilze aus den im Harnevorhandenen Nitraten, oder durch Oxydation aus Ammon. Dann verschwindetsie früher oder später (Röhmann, Zeitschr. d. phys. Ch. V, 8. 94—121, ehem.Centralbl. 1881, S. 378).
Ueber das im Harne vertretene Ferment des Harnstoffes, durch wel-ches dieser in Ammoniumcarbonat übergeführt wird, ist unter Urea (8. 1177)Näheres mitgctheilt. Es ist wahrscheinlich das von Bechamp und Baltus mitNephrozymase (Ncfrozymase, Nierengährstoff) bezeichnete, in jedem normalenHarne vertretene Ferment, welches durch die Nieren ausgeschieden wird. Beivegetabilischer Nahrung ist dieses Ferment nur unbedeutend im Harne vertreten.
Nierenstein aus Indigo bestehend erhielt Ord durch Dr. Bloxam. Er warder rechten Niere einer Frau entnommen, von Farbe dunkelbraun, zum Theil mitschwarzblauer körniger Schicht überzogen. Auf Papier hinterliess er einenbläulichschwavzen Strich. Im Platintiegel erhitzt verdampfte er unter stinkendemGerüche nach verbrennenden Federn, und eine weisse aus Calciumphosphat be-stehende Asche blieb zurück. Die specielle Untersuchung ergab geronnenes Blut,wenig kryst. Calciumphosphat und in grösster Menge Indigo (Berliner klin.Wochenschr. 1879, Nr. 25).
Micrococcus ureae Cohn, zymogene Kugelbacterie, Harnbacterie, istein Harnferment in Form mikroskopisch kleiner kugliger oder ovaler Zellen,v on denen 2 — 8 rosenkranzförmig vereinigt sind. Sie bewirkt die alkalischeGährung des Harnes. Pasteur züchtete diese Bacterie und fand als beste Ent-wickelungstemperatur 30° C, 15° Kälte tödtet sie nicht, dagegen hebt eineWärme von 70° die Entwickelungsfähigkeit vollkommen auf. Näheres berichtetK. v. Jaksch im med. Centralbl. XVIII, S. 180, ehem. Centralbl. 1880, S. 214.
Aceton im Harn. Acetonurie ist bei den Diabetikern gewöhnlich. Mar-Kownikoff versetzte den Harn mit Weinsäure und unterwarf ihn einer fractio-nirten Destillation etc. Annal. d. Chemie 182, S. 362; Zeitschr. f. analyt. Ch.XVII, 8. 522. Aus 73 Liter Harn eines 16-jährigen an Diabetes und Melan-cholie leidenden Knabons wurden 33 g trocknes alkoholhaltiges Aceton gesam-melt. Aus 82 Liter des Harnes eines Mädchens wurden nur 5 g Aceton ab-geschieden.
Nach Rupstein ist Aceton nicht präformirt im Harne vorhanden, sonderna ls Aethyldiacetsäure, welche bei der Destillation des Harnes in Acetonund Weingeist zerfällt. Die beiden letzteren müssten in einem Verhältniss von5 : 6 vertreten sein. Markowniroff ist dagegen der Ansicht, dass sowohlAceton wie Weingeist als Producte einer besonderen Gährung der Glykose auf-treten und dass ein besonderes Acetonferment vorliegt. Markownikoff fandstets mehr Aceton als Aethylalkohol, Alsberg dagegen Aethylalkohol mit etwasAceton. DEIOHMÜLLEB lagen einige diabetische Harne vor, welche durch Ferri-chlorid röthlieh bis violettbraun gefärbt wurden. 40 Liter des die rothe Ferri-chloridreaction gebenden Haines lieferten ihm 22,5g Aceton. Aus dem Fehlendes Aethylalkohols in ähnlichen Harnen lässt sich annehmen, dass die roth rea-girende Substanz nicht Acetessigestcr, sondern etwas Anderes sein muss, dassfreie Essigsäure vorliegt, welcher Ansicht auch Toleens beistimmt. Man ver-gleiche auch Rundschau f. d. Intcr. d. Ph. 1881, 8. 826, 827.
Eine diabetische Acetonurie liegt jedenfalls vor, wenn Ferrichloridden Harn röthlieh bis violettbraun färbt (pharm. Centralh. 1881, 8. 544). Dassdie rothe Reaction zu Phenolen oder Rhodan in Beziehung stehen kann, ist nichtunwahrscheinlich.