Unona. — Urea.
1177
Eine Identitätsreaction aufzusuchen oder eine Prüfung auf Reinheit diesestheuren Oeles zu erforschen, wurden keine Versuche angestellt. Die in dieser Be-ziehung im Handbuche angegebenen Reactionen wurden seiner Zeit von Hagermit einem direct aus Manilla bezogeneu Oele angestellt.
Urea.
Harnstoff entsteht aus der Einwirkung des Kaliumhypermanganatsauf Kaliumcyanidlösung in Gegenwart eines Schwefelsäureüberschusses(Batjdrimont). Archiv der Ph. 1880, 2. Hälfte S. 147.
Harnstoff bildete sich, als J. M. Thomson durch eine Mischung vonBenzol und Ammoniak Luft leitete und er die gemischten Gase über glühendenPlatindrath hinweg führte. Es resultirte neben Harnstoff Ammoniumcarbonat undeine in Aether lösliche Harzsubstanz. Bei Anwendung von Platin schwamm oderPlatinasbest entstand kein Harnstoff, ebenso, wenn statt des Benzols Aethyleugasgenommen wurde. Bei Ersatz des Benzols durch Acetylen wurde reichlichHarnstoff gebildet (Chem. Centralbl. 1881, S. 405). Der Apparat zu diesemExperiment ist im chem. Centralbl. 1882, 8. 99 beschrieben und bildlich dar-gestellt.
Wird ein Gemisch von Harnstoff und Resorcin an der Luft erhitzt, soerfolgt ein blaues, dem Lackmuss ähnliches Sublimat. Eine Erklärung dieserErscheinung ist von Birnbaum und Lurie gegeben, Ber. d. d. chem. Ges. XIII,S. 1618—1621.
Ob Harnstoff ein Bestandtheil der Muskeln sei, ist noch eine offeneFrage. Demant stellte Versuche in dieser Beziehung an und fand, dass in demMuskelfleische entweder Harnstoff oder ein ähnliches Substitut, wie z. B. Guanidiu,vertreten ist, denn beim Kochen mit Baryumhydroxyd wurde Ammon entwickelt(chem. Centralbl. 1881, S. 6).
In Betreff der Bildung des Harnstoffes im thierischen Organismus beobach-tete Dreciisel, dass der Harnstoff nicht direct aus dem Eiweiss entsteht, dassvielmehr der Stickstoff gewisser Amidsäuren, namentlich derjenigen, welche Spal-tungsproduete der Eiweisskörper sind, zur Harnstoffbildung Verwendung finde, soauch der Stickstoff einiger Ammoniaksalze, in welchem Falle aber die gebundeneSäure den Ausschlag giebt. Salmiak werde beim Hunde als solcher wieder aus-geschieden, während Ammoniumcarbonat ein Harnstoffmateriai abgebe, obgleichbeim Kaninchen der Salmiak zur Harnstoffbildung Material liefere. Feder, Voit,H allervorjjen fanden ebenfalls, dass Ammoniumcarbonat und Ammoniumacetatbeim Hunde in Harnstoff übergehen. Med. Centralbl. XVIII, S. 886 (1880).Ausführliches über die Harnstoffbildung berichtet Drechsel im Journ. f. prakt.Chem. XXIII, S. 87—96 und chem. Centralbl. 1881, S. 164.
Bezüglich der physiologischen Wirkung des Harnstoffes und der Ammon-salze stellten Richet und Moutard - Martin Versuche an. Sie constatiren dieWirkungslosigkeit des Harnstoffs, denn Hunden mittlerer Grösse wurden biszu 50 g Harnstoff in die Blutbahn injicirt, ohne dass dadurch der Tod herbeige-führt wurde. Der Harnstoff ging sofort in die Gewebe und Flüssigkeiten desKörpers über und ein bedeutender Theil wurde auf dein Verdauungswege abge-sondert. Während eine vermeinte Harnabsonderung die Folge war, so enthieltder Harn verhältnissmässig weniger Harnstoff, während die Magenfliissigkeit 1,4Proc., der Speichel 0,5 Proc. Harnstoff enthielten, also reich an Harnstoff waren.Ammoniumchlorid in starken Dosen subcutan injicirt erwies sich ebenfallsunschädlich und man soll daher bei der Urämie nicht der Nichtelimination der