Druckschrift 
Erg.-Bd. (1884)
Entstehung
Seite
633
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^^^^^^^^^^^^^^^^^_ Milch kranker Kühe._____

«leinen Kinder waren mit anderen Kindern nicht zusammengekommen. Die Ver-rauthung einer directen Ansteckung lag nicht vor. Die Milch wurde von einemBauer in Z. entnommen, dem 2 Kinder an Diphtheritis gestorben waren. DieKinder dos Ziegeleibesitzers erkrankten nun an Diphtheritis und starben. Die~ ! ' cn _ aus Wirtschaften, wo ansteckende Krankheiten herrschen, ist immer ver-dächtig, Contagiumträger zu sein. Die Kinder einer Deutschen herzoglichentamilie erkrankten an Diphtheritis, ohne mit Personen in Berührung gewesen zujfcm, welche an dieser Krankheit litten. Sollte vielleicht auch hier die unschul-dl ge Milch der Ueberträger gewesen sein?

Im The Brit. med. Journ. 1879, Nr. 941 (Aerztl. Intellig.-Bl. 1879, Nr 7)den wir in Betreff der Milch als Contagiumträger werthvolle Angaben, welcheJ? M ed. Neuigkeiten 1879, S. 86 im Auszuge mitgotheilt sind, entnommen ausw - II. Poweb's Berichten über den Zusammenhang der in Nord-London aufge-tretenen Diphtherie-Epidemie mit der Milch. Die aus einem Orte kommendeM 'Ich soll die Epidemie verursacht haben. Verf. zieht eine Euter-Krankheit der'Üihe fgargetj als Contagiumerzeuger heran. Die gemachten Erfahrungen mögendazu beigetragen haben, dass in England in Betreff der Einrichtung von Molke-*?Wn, Ställen für Milchkühe und Verkaufsstellen für Milch besondere sanitäreVerordnungen erlassen wurden.

Kbiegeb hat in seiner vortrefflichen Schrift:über die Disposition zuKat arrn> Krup und Diphtherie der Luftwege" (1880, Verlag von J.^Rübnee in Strassburg i. E.) die Resultate aus seinen mühsamen ForschungenÜC1 ' Welt mitgotheilt, dennoch hat er der Milch als Contagiumträger keine Be-achtung zugewendet. In grossen Städten kommen Fälle vor, wo mehrere Kindereiner Familie zugleich an Diphtheritis erkranken, obgleich eine directe Ansteckungnicht vorliegt. Man sollte in diesen Fällen die Kundschaft der betreffenden Milch-yirthsclmft näher treten und man dürfte zu anderen Erfahrungen gelangen. Auchdarauf Rücksicht zu nehmen, ob in einer Familie die Milch nur gekocht oder0,1 von den Kindern genossen wird.

, Dazu kommt noch die Entdeckung Dammann's, welche lehrt, dass die Kälber*'° Menschen an Diphtheritis erkranken (Rovue f. Thierheilkunde, Zoitschr.a> osterr. Ap.-Ver. 1878, S. 229). Die Krankheits-Erscheinungen sind sogar vonenen bei Menschen nicht verschieden.

Die Milch der an Maul- und Klauenseuche leidenden Kühe zeigt im mikro-skopischen Bilde bei 200facher Vergrösserung Schleimwolken, viele der Butter-*%elchen ermangeln glatter Contouren, und im schweren Falle lassen sich Eiter-körperchen wahrnehmen. (Vergl. Fig. 82.)

Milch kranker, besonders pcrlsiiohtigcr Kühe muss als ein Gift betrachtet werden,^er anhaltende Genuss dieser Milch ist für Menschen und Thiere (Schweine wer-ben oft mit Kuhmilch gefüttert) Gefahr bringend. Im mildesten Falle erzeugt deryenuss der nicht gekochten Milch perlsUchtiger Kühe Leiden, welche die Aerzte* n das Rubrum der Scrophulosis verweisen, es kann aber auch bei schwächlichenKindern Tuberculose hervorbringen, welche mit Schwindsucht ihr Ende erreicht.Von der Perlsucht oder Tuberculose (Franzosen) sind in Deutschland wohl 4 Proc -der Kühe befallen. Die Symptome sind sehr verschieden und entsprechend demHa iiptsitze der Krankheit in den Organen des Thieres. Symptome sind z. B.gesteigerter Begattungstrieb, Verkalben, häufiges Husten, der sich trocken anhört,Wechselnde Störungen der Fresslust, Mangel an Fresslust,_ ein eigenthumlichesaussehen des Felles. Ein struppiges glanzloses Haar zeigt einen hohen Grad derPei 'lsucht an. Die Krankheit verläuft in mehreren Stadien. Im ersten Stadium,Wo dieses und jenes Organ nur wenig der tuberculösen Entartung verfallen ist,