Druckschrift 
Erg.-Bd. (1884)
Entstehung
Seite
632
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

632

Lac. Giftige Milch. Milch als Contagium-Träger.

wickelung dieser Pigmentbacterien. Diese wird gestört, wenn man die Milch miteiner Oelschicht bedeckt. Diese Bacterien lassen unter dem Mikroskop Bewegungwahrnehmen. Sie haben Stäbchenform und vermehren sich durch Theilung unterProduction des blauen Farbstoffes. In anderer Nährflüssigkeit (Altheeaufguss mitCohn's Nährlösung) geht die Vermehrung unter Sporenbildung vor sich. DieseBacterien scheinen mit dem Wechsel des Substrats bedeutende morphologischeWandelungen zu erfahren. (Beitr. Biolog. Pflanz. III, 2, 1880, Pharm. Centralh.1881, S. 20, 21.)

Gelbe Milch ist verdächtig, mit Colostrum-Mi Ich (Milch dicht vor, bei oderbald nach der Geburt des Kalbes gemolken) vermischt zu sein. Diese Milchist ekelhaft. Sie enthält auffallend, fast mehr als doppelt soviel Proteinstoff alsdie gewöhnliche Milch.

Salicylsäure und Salicylate innerlich genommen gehen in die Milchder säugenden Frauen über (T. Pauli). Hiernach ist auch zu erwarten, dassdiese Säure bei den Kühen in die Milch übergeht.

Aloe, Gentiana und andere Bitterstoffe gehen bei den Kühen in die Milchzu einem geringen Theile über. Die Milch der Kühe, welchen man diese Arz-neistoffe durch zwei und mehrere Tage hindurch giebt, wird einen bittterlichonGeschmack erkennen lassen. Von

Jod, Kaliumjodid, Morcurialien ist ähnliches zu berichten.

Giftige Milch. Milch kann Gift enthalten. Die Wiederkäuer sind mit derEigenschaft ausgestattet, mehrere der giftigen oder narkotischen Pflanzen fressenzu können, ohne dass sie durch die Wirkung derselben belästigt werden. DieErfahrung hat nun ergeben, dass die giftigen oder narkotischen Stoffe bei densäugenden Thieren in die Milch übergehen, welche Milch dann von Menschengenossen giftige Eigenschaften wahrnehmen lässt. In einem Orte Italiens grassirteplötzlich Cholerine und Prof. Ratti wies in der Milch der Ziegen Colchicin nach.

Milch als Contagium'Triiger. Dass die Milch Contagien, Infectionsstoffe auf-nehmen und conserviren kann, ist schon einige Male mit aller Sicherheit consta-tirt. Die Typhusepidemie zu Huncoat bei Burnley (Lancashirc) (Med. chir. Cen-tralb. 1879) entstand durch Genuss einer Milch aus einer Bauernwirthschaft, inwelcher drei Kinder am Typhus danieder lagen. Jedenfalls hatte man die Milch"gefässe in dem Räume stehen, wo die Patienten lagen, auch das Reinigender Gefässe mag mit den Tüchern geschehen sein, welche bei den Patienten z u 'gleich gebraucht wurden, ebensowenig mögen die Hände, welche die Krankenpflegten, gewaschen worden sein, wenn sie zum Molken in Thätigkeit kamen etc.Seit Hekanntwerden dieses einen Falles liefen von anderen Seiten Berichte übe*ähnliche Fälle ein. Im August 1878 bricht eine Typhusepidemie in Croydonaus und kamen, wie Dr. Philpot berichtet, 37 Krankheitsfälle in 48 Häusernvor. Um die gleiche Zeit trat dieselbe Epidemie in Portsmouth auf. Die Milch»welche nach Croydon und Portsmouth kam, entstammte einer Farm, wo ein Kindam Typhus erkrankt war und der Brunnen nur wenige Schritte von der Abtritts-grube entfernt lag. Die Milch wurde durch verschiedene Händler verthcilt. 2°Familien bezogen sie direct und in diesen Familien kamen allein 8 Typhusfallevor. In den Kasernen zu Eastney brach nach dem Genüsse der Milch* ans der-selben Quelle ebenfalls Typhus aus. Von 153 Fällen konnten 97 auf ein unddieselbe Infectionsquelle zurückgeführt werden (The Brit. med. Journ. 1879 Nr. 981)-

Diese Angaben mögen genügen, auf die Notwendigkeit hinzuweisen, nur ge-kochte Milch zu geniessen.

Die Diphtheritiskeime mögen häufig durch die Milch weiter getragen werden-Ein Ziegeleibesitzer wohnt vom Orte Z. eine Viertelstunde entfernt und seine