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Jaborandi. PilocarpiDum.
Wirkung. Die Versuche ergaben, dass das Pilocarpin auf Herz und Drüsenähnlich wirkt, wie ein Aufguss der Pflanze, und auch dieselbe antagonistischeWirkung auf die Atropinsalze ausübt.
Es ist intensiv speicheltreibend und schweisstreibend. 0,02 des Pilocarpin-hydrochlorats sollen 5,0 Blättern entsprechen. Sehr kleine Gaben fördern nurdie Speichelabsonderung. A. Weber empfahl es in subcutaner Injection anzu-wenden, indem es hier die Speichel- und schweisstreibende, und auch die pupillen-verengende Wirkung äussere ohne die unangenehmen Symptome, wie Uebelkeitund Erbrechen, in Folge der Anwendung des Jaborandi. Injcctionsdosis 0,03 —0,05—0,07. Eine Injectionsdosis von 0,08 hat oft einige Vergiftungssymptomezur Folge. Injectionsdosen von 0,005—0,01—0,015 wirken nur schweisstreibend.Dr. Schauta normirte die subcutane Minimaldosis zu 0,02—0,03, die Maxi-maldosis zu 0,06—0,07. Die Injection von 2,0 einer 2proc. Lösung innerhalb7 Stunden bewirkte innerhalb 18 Stunden eine Frühgeburt, Prof. Braun fanddagegen weit grössere Injectionsdosen hier wirkungslos.
Träufelt man 0,001 des Salzes in wässriger Lösung in das Auge, so erfolg*in 8—15 Minuten Contraction der Pupille, welche 2—4 Stunden anhält (Eserinist jedoch immer ein kräftigeres Myoticum).
Gegenmittel ist Duboisin (resp. Hyoscyamin, Daturin), welches diedurch Pilocarpin verengte Pupille sofort erweitert. Ebenso unterdrückt es diedurch Pilocarpin bewirkte Speichel- und Schweissabsonderung in wenigen Minuten,doch ist Pilocarpin kein Antidot des Duboisins. Atropin sistirt ebenfalls diedurch Pilocarpin bewirkten Secretionen (Marme). Vergiftungsfälle durchBelladonna wurden durch Pilocarpin geheilt.
0. Simon bezeichnet das Pilocarpin als Nichtradicalraittel gegen Prurigo»doch soll es Recidive länger hinausschieben und auch mildern. Bei Scharlach-fieber, Urämie, Quecksilber- und Bleivergiftungen soll es sich nach SpillmaNUund Federschmidt bewährt haben.
Die Wirkung des Pilocarpins auf den Uterus, zur Herbeiführung einer Früh-geburt, hält Felsenreich nicht genügend sicher und nur in y 3 der Fälle wurdennach 10 Minuten Uterus-Contractionen beobachtet. Sänger erlangte bessere R e 'sultate und zieht er das Pilocarpin dem Mutterkorn vor, denn es erzeugt keineKrampfwehen und keinen Tetanus uteri, nur die haemostatischen Eigenschaft 00sind im Mutterkorn vorwiegend vertreten. Die Wirkung des Pilocarpins auf denUterus wird durch kleine Gaben Atropin paralysirt. Zur Einleitung einer Früh-geburt empfiehlt Sänger Pilocarpininjection unter Anwendung von Vaginaldouchen-Als Minimaldosis bezeichnet er 0,02, als Maximaldosis 0,06. Drei Injectionenauf den Tag genügen. Als Contraindicationen gelten ihm Herz- und Lungcn-affectionen und Hydropsie der Schwangeren. Sänger macht übrigens (Arch. *•Gynäk. XIV, 3) auf die Gefahr unzeitiger Anwendung des Pilocarpins bei Ek-lampsie der Gebärenden aufmerksam, weil ein hochgradiges Lungen-Oedcm unselbst der Tod die Folge sein können. Man solle das Pilocarpin nicht in denspäteren Stadien schwerer Eklampsie anwenden, sondern nur im Anfange, solange noch kein Koma eingetreten ist, also nur in leichteren Fällen. P r "_'Lewin, welcher Pilocarpin auch bei Syphilis anwendete, warnt vor den gefähr-lichen Nebenwirkungen des Pilocarpins, wie Uebelkeit, Erbrechen, Singultus,Kopfschmerz, Kaltwerden der Extremitäten, Dysurie, Hinfälligkeit, Collaps. Stehenandere Mittel zu Gebote, so solle man das Pilocarpin nur im Nothfalle an-wenden. .
Das Pilocarpin fördert das Wachsthum der Haare, selbst den Haarwucn»an Hautstellen, wo die Haarwurzeln abgestorben sind (scheinen). Dazu soll selbsdie schweisstreibende subcutane Injectionsdosis ausreichen. Georg Schmitz be-