Jaborandi Pilocarpinum.
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Da das Material für die Harzbildung im flüchtigen Oele des Jaborandi zusuchen ist, so sonderte Poehl das flüchtige Oel, indem er durch die zerkleiner-ten Jaborandiblätter einen anhaltenden Wasserdampfstrom leitete. Er hatte sichvorher überzeugt, dass das Pilocarpin (entgegen Byasson's Angaben) bei 100°C. nicht flüchtig ist. Obgleich die so behandelten Blätter ein gutes Pilocarpinei'gaben, so war dieses dennoch nicht total frei von Harz.
Da Poehl die Beobachtung gemacht hatte, dass das Pilocarpinhydrochlorat(entgegen Gerrard's Angabe) fast unlöslich in Chloroform ist, so versuchte erdie Trennung des Alkaloids vom Harz damit, dass er die saure salzsaure Alka-loidlösung mit Chloroform wiederholt ausschüttelte. Das Chloroform entzog inder That der Lösung den grössten Theil des Harzes und die darauf folgendeChloroformausschüttelung aus alkalischer wässeriger Lösung ergab ein Pilocarpin,das wenigstens reiner als das käufliche war.
Poehl versuchte auch den dialytischen Weg, ein reines Alkaloid darzustellen,doch ohne den erwünschten Erfolg, indem auch das Harz nicht ermangelt, dasDiaphragma zu durchwandern.
Nach vielen anderen Versuchen, welche nicht zum Ziele führten, schlugPoehl folgenden Weg ein: Die zerkleinerten Blätter werden mit Wasser, welchesm it 1 Proc. Salzsäure versetzt ist, infundirt und der Aufguss mit Bleiessig ver-ßetztzt. Dem bleihaltigen Filtrate wird soviel Salzsäure hinzugemischt, als Blei-chlorid ausscheidet. Nach den Filtriren wird die Flüssigkeit durch EindampfeneiI igeengt und nun mit Phosphormolybdänsäure ausgefällt. Der gesammeltefeuchte Niederschlag wird nach dem Auswaschen mit Wasser, welches mit Salz-säure schwach sauer gemacht ist, mit Aetzbaryt gemischt, im vollheissen Was-serbade eingetrocknet und der pulvrigen Masse mittelst Chloroforms das Alkaloidentzogen. Nach dem Abdunsten der chloroformigen Lösung hinterbleibt das Pilo-carpin als eine weiche zähe farblose Masse.
Nach Gerhard werden die Blätter mit 84proc. Weingeist, welcher 2 Proc.10 proc. Aetzammonflüssigkeit enthält, extrahirt, der Auszug mit Weinsäure neu-tr ahsirt, der Weingeist abdestillirt, der Rückstand in ammoniakalischem Weingeistgelöst, filtrirt, der Weingeist abdestillirt und aus dem wässrigen Rückstande dasAlkaloid mit Chloroform durch Ausschütteln aufgenommen. Das an Salpeter-säure gebundene Pilocarpin wird in Weingeist umkrystallisirt etc.
Mit Salzsäure, Schwefelsäure und Salpetersäure giebt es krystallisirbare, mitEssigsäure und Oxalsäure amorphe Verbindungen.
Obgleich das Pilocarpin bei gewöhnlicher Temperatur ein halbflüssiges Alka-loid ist, so kann es dennoch nicht den flüchtigen Alkalosen beigezählt werden,wenn auch letzteres von Byasson und Blyth behauptet wurde. Poeh erhitztedas reine Alkaloid über 100° C. von 10 zu 10 Graden aufsteigend bisLzu 180°.Es erfolgte weder eine Sublimation noch eine Destillation.
Wie Harnack und Meyer nachgewiesen haben, ist das Pilocarpin disponirt,besonders unter dem Einflüsse der verdünnten Säuren, in Jaborin überzugehen,Reiches in seinen physiologischen Wirkungen dem Atropin nahe steht. EineUnterscheidung des Jaborins vom Pilocarpin durch chemische Reactionen ist bishernicht gekannt.
i Pilocarpinum hydrochloricum, Pilocarpin™ mnriaticnm, Pilocarpinhydro-«»lorid (C 23 H 3 . 1 N 4 0 4 ,2HCl) bildet farblose durchsichtige nadel- oder p attchenför-m 'ge Krystalle von schwach bitterem, etwas adstringirendem Geschmack, inWasser leicht löslich. Die wässrigen Lösungen halten sich viele Wochen klar.Es ist auch in Weingeist leicht löslich, unlöslich in Aether, Chloroform, Benzol,Schwefelkohlenstoff (Poehl).