Jaborandi. Pilocarpinum.
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obachtete diese haarwuchsfördernde Wirkung zuerst und Schüller hat dieselbebestätigt. Ersterer behandelte zwei kahlköpfige Augenkranko und machte ersubcutane Injectionen, und bei beiden Patienten fand sich darauf Haarwuchs ein.(Ausführliches über die Wirkung vergl. Die neueren Arzneimittel von Loebischund v. Rokitansky. Wien 1879.) Mankiewicz machte übrigens die Erfahrung,dass Pilocarpin kein Haarwuchs beförderndes Mittel ist.
Prüfung. Dieser dürfte mit conc. reiner Schwefelsäure und auch mit dieserSäure in Verbindung mit Kaliumdichromat (vergl. unten) Genüge geschehen.Das Nitrat und Hydrochlorid des Alkalo'ids aus Brasil -Jaborandi und auch an-deren Arten sind amorphe Verbindungen und haben Wirkungen, welche denen desAlkalo'ids aus dem echten Jaborandi zum Theil entgegengesetzt sind. Mit fettemUele unter dem Mikroskop betrachtet, dürfen keine amorphen Massen vorhanden8ei n. Das freie Pilocarpin wird in einer Menge von 0,02 g mit 3 Tropfen Sal-petersäure und 3 Tropfen Wasser gemischt und nach einer Viertelstunde unterdem Mikroskop betrachtet. Nur Krystalle dürfen sich dem Auge darbieten.
Aufbewahrung. Pilocarpin und seine Salze müssen den starkwirkenden Arz-üeisubstanzen zugezählt werden, die Gefässe also einen abgesonderten Standort«halten.
Chemie und Toxicologie. Der Nachweis des Pilocarpins in Vergiftungsfäl-'en bietet insofern Schwierigkeiten, als keine farbigen Reactionen bekannt sind undzur Sicherstellung der analytischen Reactionen noch die physiologische (myotische)Reaction auf die Pupille erforderlich wird.
Aus der sauren Lösung nehmen die Lösungsmittel (Chloroform) nichts auf,w °hl aber aus der alkalischen. In Benzol ist Pilocarpin überhaupt nicht löslich( w ohl aber das Jaborandin aus dem Brasil-Jaborandi; Poehl). Der aus ammo-ruakalischer Lösung mittelst Chloroforms extrahirte Auszug ist auf die optischeActivität zu prüfen (Morphin ist linksdrehend, Narcein inactiv, Cinchoninund Pilocarpin rechtsdrehend). Der Verdunstungsriickstand der Chloroformlösungze'gt eine abweichende (syrupartige) Consistenz und verhält sich gegen concchwefelsäure indifferent, erzeugt aber mit conc. Schwefelsäure und Kaliumdichro-mat die unten angegebene grüne Farbenreaction.
Phosphormolybdänsäure erzeugt in Pilocarpinsalzlösungen (1:10000),besonders in der salzsauren Lösung (1 : 15000) einen gelben käsigen amorphen,gegen den polarisirten Lichtstrahl indifferenten Niederschlag. — Phosphor-wolframsäure erzeugt einen weissen (1:10000), — .Todjodkalium einenbraunrothen, in der Wärme in Lösung übergehenden, feine Nadeln bildendenund gegen den polarisirten Lichtstrahl activen, — Kaliumwismuthjodideinen rothen kermesfarbigen Niederschlag, besonders in der Salzsäuren Lösung1:15000). — Kaliummercurijodid erzeugt eine massige (1 : 800), — Ka-lium cadmiumjodid bei 1: 500 geringe Trübung, bei 1:200 einen weissenNiederschlag, im Ueberschuss des Reagens löslich. — Mercurichlorid erzeugt(bei 1:100) einen weissen in Salzsäure leicht löslichen, — Platinchloriduur in concentrirter Lösung einen gelblichen krystallini sehen Niederschlag. —Pikrinsäure erzeugt (bei 1 : 200) einen gelblichen, unter dem Mikroskopkugelförmige, strahlenförmig von Nadeln umschlossene Massen darstellenden, optischactiven Niederschlag. — Schwefelsäure löst fast farblos. — Schwefelsäuremit Kaliumdichromat giebt eine anfangs bräunlich - grüne, bald m dauerndesgrelles Grün übergehende Färbung. (Untersuchung der Blätter von Pifo-carpus officinalis von Dr. Alex. Poehl, St. Petersburg 1879, ist eine vor-zügliche, den Gegenstand nach allen Seiten hin erschöpfende Arbeit. Sie umfasst5 4 Oetavseiten und enthält mehrere photographische Abbildungen.)