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Erg.-Bd. (1884)
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Digitalis.

Salzsäure mit schöner grüner Farbe, und wurde aus wässriger Lösung durchGerbsäure gefällt. Den Rest des Extracts hob man zu physiolologischen Ver-suchen auf. Das Herzblut lieferte kein bemerkenswcrthes Resultat.

Bei der mikroskopischen Besichtigung der Pillen bemerkte man ein durchChlorophyll grün gefärbtes Zellgewebe, durchsetzt mit einem Netze von meistglänzenden und röthlichen Streifen, in dessen Maschen ein noch feineres Netzwerksteckte (das Digitalispulver ist jedenfalls kein höchst feines gewesen). Fernerfanden sich zahlreiche ganze oder gebrochene Haare, welche aus gegliedertenTheilen zusammengesetzt waren und in eine Zelle ausliefen; an ihrer Oberflächeerkannte man kleine, von einem vorspringenden Rande umgebene Oeffnungen,wodurch die Haare ein punktirtes Ansehen erhielten. Gepulverte Digitalisblätterzeigten unter dem Mikroskope dieselben Merkmale. Die grünen Partikelchen deäMageninhalts stimmten gleichfalls damit überein.

Die chemische Analyse der Pillen gab die Reactionen des Digitalins. Zu-letzt wurden die bisherigen Resultate noch durch physiologische Versuche nfi*dem Extracte des Mageninhalts, des Zwölffingerdarmes und der Pillen controlirt.Zu diesem Zwecke wurden 4 gesunde Frösche auf einer Tafel befestigt und ihrHerz blossgelegt.

Dem ersten Frosche A injicirte man in die lymphatischen Höhlungen 0,75 geiner '/ 2 Proc. enthaltenden Lösung von Digitalin in Glycerin; dem zweiten Beinen Theil des Extracts des Inhalts des Magens und Zwölffingerdarmes; demdritten C den achten Theil des Chloroform-Extractes von 5 Pillen; und de©vierten I) das in Glycerin gelöste weingeistige Extract von 2 Pillen. Man beob-achtete nun Folgendes. A. Bald Unregelmässigkeit in den Contractionen desHerzens; 5 Minuten nach der Injection wurden die Contractionen schwach undunregelmässig; nach einer Stunde waren die Herzschläge auf 17 per Minute ver'mindert. B. Nach einigen Minuten Unregelmässigkeit in der Bewegung de 9Herzens; nach einer Stunde waren die Herzschläge auf 18 per Minute vermin-dert, und schliesslich hatte sich das Herz ganz zusammengezogen. C. Na°*jeiner halben Stunde waren die Herzschläge auf 17 per Minute vermindert, nndnach 2 Stunden hörten sie ganz auf. D. Nach 13 Minuten hatten sich ox eHerzschläge auf 16 per Minute vermindert.

Prüfung auf ein anderes Gift lieferte ein vollständig negatives Resultat, w 1Ausnahme einer leisen Spur Arsenik in den Rückständen der verschiedenen Or-gane, welche man eigens auf dieses Metall untersuchte.

Die gerichtliche Untersuchung fand den Quacksalber und auch die Apotheauf, in welcher die Pillen (Rp. Pulv. fol. Digitalis 10,0, Extr. Gentianae V-M. Fiant pilulae No. 100. D. S. Morgens und Abends 4 Stück zu nehmen)angefertigt waren.

Dieser Fall ist hier speciell mitgetheilt, damit der Apotheker vor der Anfertigung ähnlicher Pillen gewarnt sei, denn im westlichen Deutschland scheinenQuacksalber gleicher Art vorzukommen. Die Maximaldosis war übrigens nieüberschritten, denn diese ist auf den Tag 1,0 g.

Der giftigen letalen Wirkung der längere Zeit hindurch in den Magen ein-geführten, nur massigen Mengen Digitalis steht folgender Fall auffallend S^ nüber. Im Archiv für Heilk. 17. Jahrg. veröffentlicht Balz einen Fall, ^ elc . c e hlehrt, dass sich der Körper an Digitalisgebrauch gewöhnen und Digitalis s lC ^wie Morphin, Opium, Arsenik, Weingeist verhalten kann. Eine Nätherin *krank und neben einer Menge schwerer Symptome war sie nicht im Standegehen, noch weniger zu nähen, wenn sie nicht täglich Morgens und Abends J0,3 Digitalisblatter eingenommen hatte. Dass hier eine Mystifikation vorhegkönne, ist wohl nicht anzunehmen.