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Crocus. Safran-Untersuchung.
und etwaiger Denunzianten gepanzert zu sein. Das Publikum würde trotz dieserEtiquette nicht vom Namen „Safran" lassen. Da sich die Materialwaarenhändleraus allen Schichten des Volkes recrutiren, so mag es auch wohl vorkommen,dass der das Safransurrogat verkaufende Materialist oft gar nicht weiss, dass erein Surrogat in der Hand hat, dass es noch einen echten Safran giebt.
Der Chemiker, welchem der Auftrag wird, zu constatiren, ob das unter demNamen Safran vom Kaufmann entnommene auch wirklich Safran sei, hat alsSachverständiger über das eingebürgerte und zu Recht bestehende Safransurrogatsich zu äussern und der Gesundheitspolizei die nöthige Aufklärung zu geben.Wenn die Polizei dann an den Kaufmann die Forderung stellt, die Schachtel mitder Aufschrift „Safransurrogat" zu versehen, so verlangt sie jedenfalls etwas derOrdnung Gemässes. Dann kann der Chemiker der Gesundheitspolizei noch denWink geben, dass die Fabrikanten des Safransurrogats sich unbe-wusst ein Verdienst um die Moral des Deutschen Volkes erworbenhaben, insofern sie dem echten Safran die alleinige Stellung alsArzneimittel bewahrten, da z. B. in Frankreich, wo das deutsche Safran-surrogat nicht Eingang fand, das Verbrechen, die künstliche Amblosis (!)>mittelst des Safrans etwas ganz Gewöhnliches ist, welche auch schon in Deutsch-land hier und da gekannt zu sein scheint. Von diesem Umstände, welcher imHandbuche Bd. I, S. 956 erwähnt ist, scheinen weder die Chemiker noch dieGesundheitspolizei Kenntniss zu haben, denn dann würde man den Safransurro-gaten das Wort reden und den Verkauf eines Ambloticums, des Safrans en detail,nur der Apotheke zuweisen.
Nun sei bemerkt, dass der chemische Safran nicht ganz ohne Safran zusein pflegt. Durch Zufall kam Hager in den Besitz eines Recepts einer Augs-burger Safranfabrik, nach welchem 4 Th. Weizenmehl, 2 Th. guter Safran, 2 Th-gepulverte Curcuma, 1 Th. gepulvertes rothes Santelholz nebst etwas Gewürz-pulver (Zimmt, Englisches Gewürz) mit Wasser und Spiritus zu einem Teige an-gerührt, zu einem Kuchen ausgewalzt, getrocknet und dann in ein feines Pulververwandelt werden sollten.
Eine wesentliche Aufgabe des Chemikers ist es, in dem käuflichen Safran-Surrogat die Abwesenheit von Stoffen zu constatiren, welche der Gesundheit nach-theilig sind, wie z. B. Chromate, Bleiverbindungen, Pikrinsäure, Anilingelb undandere Nitroverbindungen. Der kalte wässrige Aufguss darf eine saure Cincb 0 'ninlösung nicht fällen und eine Bleiacetatlösung nur unbedeutend trüben. £* ieAsche sollte nur bis 8 Proc. hinaufgehen und darf weder Chrom noch Blei enthalte«-Der Geschmack des Surrogats sollte nur schwach bitterlich und massig gewürz-haft brennend sein. Wie es scheint, enthält das Surrogat mitunter auch ö 0 'standtheile des Spanischen Pfeffers, was wohl zuzulassen wäre.
Dass die Safransurrogatfabrikanten zu den Theerfarben greifen und Nj tr °'cresole als Safransurrogate in den Handel bringen würden, war beim Eintn -dieser Farben in den Handel vorauszusehen. Diese Körper gehören den starkwirkenden Stoffen an und müssen sie in ihrer Wirkung auf den thierischen Or-ganismus der Pikrinsäure gleich gehalten werden. Aus diesem Grunde eigne"sie sich nicht zum Genuss und sollte die Abgabe derselben als Safransurrogapolizeilich verboten werden. Ihre Erkennung ist nicht schwer und genügt eseine Messerspitze des Pulvers einer Flamme zu nähern. Die meisten werde»flammend verpuffen oder knisternd oder sprühend abbrennen. Viele dieser Nitr<£Verbindungen sind löslich in Benzol (worin auch der Farbstoff des rothen Sante -bolzes löslich ist) und in Petroläther (worin das Santelholzroth nicht löslich ist)-Einige haben einen sehr bitteren Geschmack.