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Aoidum carbolicum.
In Betreff der Wirkung auf den thierischen Organismus ist zu erwähnen:Carbolsäure ist eine giftige Substanz. Sie wirkt direct auf das cerebrospinaleNervensystem und auf das Athmungscentrum, erst reizend, dann lähmend, auchist sie nicht ohne Einfluss auf das Blut, denn nach einigen Stunden der Intoxi-cation tritt Hämoglobinurie ein. Die Ausscheidung aus dem Körper erfolgt in12—16 Stunden. Glycerin mindert die Giftigkeit.
Im thierischen Organismus unterliegt die eingeführte Carbolsäure zum grös-seren Theile einer Oxydation, aus welcher Oxalsäure und Kohlensäure resultiren.Der Harn nimmt nach äusserlichem und innerlichem Phenolgebrauch eine dunklebis tintenartige Farbe an. Baumann und Pbeusse constatirten im Harne nacheiner Vergiftung mit Phenol Hydrochinon und Brenzcatechin als Aetherschwefel-säuren. Das in die Verdauungswege eingeführte Phenol wird hauptsächlich inpheuolschwefelsaures Salz übergeführt und als solches durch den Harn abge-schieden. Salkowski fand bei Phenolgebrauch stets einen Harn mit grossem In-dicangehalt.
Als Gegengift empfiehlt Jandousch Zuckerkalk oder ein Gemisch aus Kalk-hydrat und Zucker. Feeiiand empfiehlt zur Entfernung des Giftes aus demMagen Ipecacuanha, Apomorphin, Magenpumpe, dann Verabreichung von Kalk-saccharat oder ein Gemisch aus 5 Tb.. Kalkhydrat, 15 Th. Zucker und 40 Th.Wasser, Milch, Wein, Kaffee, äussere Reizmittel. Die innerliche, besonders dieäusserliche Anwendung auf Wunden, zu Klysticren, Injeetionen sollte nur mitder Aqua phenylata simplex oder duplex geschehen. In concentrirterer Form(1 rolien Vergiftungen.
Gegen Intoxicationen in Folge wiederholter Anwendung der Carbolsäure aufWunden, in Waschungen hat Dr. Sonnkiseik; , auch Baumann den innerlichenGebrauch von Natriumsulfat (Glaubersalz) stets wirksam gefunden. Sanftlebenempfiehlt den Gebrauch folgender Mixtur (Kp. Acidi sulf. diluti 1,0; Syrupi gum-mosi 200,0. M. S. Stündlich 1 Esslöffel). Mit dem Gebrauch von Glaubersalzverschwindet alsbald die dunkle Farbe des Harnes. Die Wirkung beruht auf derBildung von Sulfocarbolsäure, welche nicht giftig sein soll.
Carbolgaze, Listee's, Lister's antiseptic muH, nach Prof. Dr. Paue BeunsAnweisung dargestellt. Die LiSTER'sche Carbolgaze wird in der Art hergestelltdass man Gazestoff in eine heisse Mischung von 1 Th. reiner Carbolsäure mit5 Th. Harz und 7 Th. Paraffin taucht und dann in mehrfacher Lage zwischenzwei Rollen hindurchpresst. Bkuns stellt nun diese Carbolgaze in einfachererund leichterer Weise dar. Er verwendet dazu eine dünnflüssige kalte weingeistigeLösung, welche von dem Baumwollengewebe leicht aufgenommen wird. 1 Kilos.entfetteter Gaze (ca. 25 Meter) erfordert circa 2,5 Liter einer Flüssigkeit be-stehend aus 100,0 g Carbolsäure, 400,0 g gepulvertem Colophonium, 40,0 gRicinusöl und 2 Liter Weingeist. Zuerst wird das Colophon im Weingeist 'ge-löst, dann die Carbolsäure zugesetzt etc. In diese Flüssigkeit wird die Gaze ein-getaucht und darin wiederholt umgedreht, einige Minuten lang mit den Händen(wohl besser mit einem Holzpistill) geknetet etc., um eine gleichmässige Durch-tränkung zu erreichen. Durch Aufspannung in horizontaler Lage wird das Ge-webe getrocknet, was in einer halben Stunde geschehen sein kann. DieseBitUNs'sche Carbolgaze (eine 10 proc.) ist viel weicher und schmiegsamer als dieLiSTER'sche Gaze (welche nur 6—7 proc. ist) und ist frei von Paraffin, welchesin vielen Füllen auf die Haut reizend wirkt. Der Preis pro Meter der in derKlinik z. B. vom Krankenwärter zubereiteten Carbolgaze kommt, das Meter Gaze