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Erg.-Bd. (1884)
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Acidum carbolicum.

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Eine andere Methode ist die Verwandlung des Phenols mittelst rauchenderSchwefelsäure in Sulfophenol, Sättigung mit Barytcarbonat, Filtration, Fällenmit Schwefelsäure. 100 Barytsulfat = 80 Phenol. Freies Phenol lässt sichmit Aether, Chloroform, Schwefelkohlenstoff aus Lösungen ausschütteln, nachdemetwa vorhandener Weingeist in gelinder Wärme (3040° C.) verdunstet ist.

Behufs Gehaltbestimmung einer rohen Carbolsäure werden 10 CC. mit10 CC. Aetznatronlauge (1,33 sp. G.) und 10 CC. Wasser kräftig durchschütteltund eine Stunde unter bisweiligem Schütteln digerirt, hierauf mit weiteren 10 CC.Wasser gemischt, erkalten gelassen, durch Glaswolle filtrirt und diese mit etwasWasser nachgewaschen. Das Filtrat wird, nachdem circa 10 g Kochsalz daringelöst sind, mit 7 CC. Salzsäure (von 1,124 sp. G.) oder bis zum geringenTTeberschuss versetzt und nach halbstündiger Digestion an einen kalten Ort ge-stellt. Die abgeschiedene Carbolsäure ergiebt den Gehalt der rohen Carbolsäure.

Bezüglich der Anwendung der Carbolsäure ist zu erwähnen, dass sie sichbei Diphtheritis vorzüglich bewährt hat. Dr. Schüler in Cüstrin starben beiihrer Anwendung nur 4,3 Proc. der diphtheritischen Patienten, während die An-wendung von Kalichlorat 14,6 Proc. und die von Salicylsäure 46,6 Proc. Sterbe-fälle ergaben. Viele Aerzte geben der Benzoesäure als Antidiphtheriticum denVorzug.

Zu parenchymatösen und hypodermatischen Carbolinjection enwird Aqua phenylata duplex (2 zu 100) angewendet (1 2 volle Pravazspritzen),bei Entzündungen einzelner Organe, der Drüsen, bei Blutgeschwülsten, Tumorenjeder Art, Erysipelas, Rachenbräune, Luftröhrenentzündung, Lungenentzündung,Gelenkrheumatismus, Lumbago etc. Hueter hält die Carbolsäure für das mäch-tigste Antiphlogisticum und Antipyreticum. Dass hier nur eine sehr reine Car-bolsäure in Anwendung kommen darf, ist wohl zu beachten.

Die Dosis für ein Klystier ist 0,1 0,15 0,2 in 150,0 Aq. oder Auf-guss (bei Durchfall, Leiden des Rectums). Stärkste Klystierdosis 0,3. Bedenk-lich ist eine Dosis zu 0,5. Frauen sind empfindlicher, Kinder am empfindlichstengegen Carbolsäureinjectionen. Diesen letzteren genügt eine Dosis von 0,05 in120,0 Aq.

Die Pile Doctors (Haemorrholden-Aerzte) Nordamerikas sollen in die be-treffenden Knoten eine Mischung aus Carbolsäure und Olivenöl (man behauptetsogar eine solche Mischung zu gleichen Theilen!) injiciren. Von einigen Seiten wirdangegeben, dass sie hierzu auch Mischungen aus Carbolsäure, Morphin, Jodoform,Chloralhydrat etc. anwenden.

Eine weitere Anwendung ist die Inhalation des Carbolsäurcstaubes. Zu denCarbolinhalationeD wird 1,0g höchst reines Phenol in 1 Liter dest. Wassergelöst verwendet bei Lungengangrän und chronischen Lungencatarrhen, besondersbei übelriechendem Sputum.

Santesson befolgt folgende Behandlung grosser Brandwunden: 1) Des-infection der Wunde und Umgebung mittelst Carbolspray (Aq. phenyl. simpl.),2) Auflegen mit 4 proc. Borsäurelösung getränkter Compressen, 3) Darüberlegenvon Guttaperchapapier, und 4) Bedecken mit ungeleimter, mit Carbolwasser durch-sprengter Watte.

Heilsam hat sich die Carbolsäure äusserlich angewendet erwiesen bei syphi-litischen Geschwürsformen. Die Aerzte pflegen die Präparate aus Carbolsäuregewöhnlich nur mit der Abkürzung Carbol- zu bezeichnen, z. B. Carbolspray,Carbolgaze.