Druckschrift 
Erg.-Bd. (1884)
Entstehung
Seite
13
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Acidum carbolicum.

13

zu 18 Pf. angenommen, auf ungefähr 25 Pf. oder 0,25 Mk. Die LiSTEn'scheCarbolgaze wird zu 3545 Pf. pro Meter gekauft. Die BRiras'sche Carbolgazekann nach dem Gebrauch durch Auskochen in stark verdünnter Aetzlauge ge-reinigt und dann aufs Neue mit der antiseptischen Flüssigkeit getränkt werden.

Carbol-Gewebc, antiseptische Verbandstoffe. Hierzu verwendet mangebleichten und ungebleichten Mull, der mit einer Masse, bestehend aus 16 Th.Paraffin, 4 Th. Colophonium und 1 Th. reiner Carbolsäure, imprägnirt wird. EinUebelstand an diesem so zubereiteten Stoffe ist der, dass Paraffin und Colophoniumden Verbandstoff steif machen und das nachträgliche Waschen desselben erschweren.Da der ungebleichte und unbearbeitete Mull einen Fettgehalt von 1 bis 2 Proc.hat, welcher eine directe Imprägnirung mit Carbolsäure wesentlich hindert, sohaben sich die obenerwähnten Mittel zum Auftragen der Carbolsäure als noth-wendig erwiesen. Wenn man die Gewebe durch Waschen mit Natroncarbonatvom Fette befreit, so lässt sich die Imprägnirung mit Carbolsäure auch directermöglichen. Poehi, giebt dazu folgende Anweisung. Man bediene sich dazueines kupfernen Apparates, welcher die Einrichtung eines PApra'schen Topfes bat.Er ist ein kupferner Kessel mit hermetisch schliessendem Deckel, welcher mitSicherheitsventil und Ableitungsrohr nebst Krahn versehen ist. Zudem ist nocheine Oeffnung im Deckel, in welche ein Thermometer eingesetzt wird. In denKessel kommt ein Drahtnetzgestell, welches dazu bestimmt ist, das Gewebe auf-zunehmen und zwar derart, dass letzteres die äusseren Wände des Kessels nichtberührt, wodurch ein mögliches Versengen des Gewebes, wie auch Verstopfungdes Sicherheitsventiles vermieden wird. Das Gewebe wird vor dem Einlegen inden Kessel mit einer Mischung von 100 Th. Acid. carbolic. ehem. pur. cryst.und 5 Th. 95 proc. Spirit. vini auspulverisirt und zwar nimmt man 3,54,0 gdieser Mischung auf 1 qm.

Nachdem das G ewe be in das Drahtnetz gelegt ist, wird der Deckel her-metisch geschlossen und der Inhalt bis zu 120 bis 130° C. erhitzt. Sollte dasSicherheitsventil schon vor Erreichung dieser Temperatur gehoben werden, somuss man durch zeitweiliges Oeffnen des Ableitungskrahns den Druck im Kesselmindern, um einer Explosion vorzubeugen. Sobald die Temperatur von 120° C.erreicht ist, nimmt man den Kessel vom Feuer und lasst ihn allmählich ab-kühlen. Das schliesslich fertige Verbandmittel wird wie gewöhnlich in Pergament-papier oder in carbolisirtem Paraffinpapier aufbewahrt.

Carbolsiiiire-Iiint wird nach Prof. Bruns mit einer Lösung von 100,0 g Car-bolsäure, 40,0 g Colophon und 40,0 g Ricinusöl in 2 Liter Weingeist, womit1 kg Lint durchtränkt wird, dargestellt.

Prüfung der Carbol-Verbandstoffe. Diese geschieht nach Poehl, dass manein Stückchen des Stoffes in eine circa 15 proc. Mercurinitratlösung, welche etwasSalpetrigsäure enthält, eintaucht. Bei Gegenwart von Carbolsäure färbt sich dieLösung intensiv roth. Im Allgemeinen genügt eine Extraction eines bestimmtenQuadratmaasses oder Gewichts des Verbandstoffes mit 30 proc. Weingeist, wel-cher nur die Carbolsäure, aber nicht deren Vehikel oder Bindemittel löst etc.

Acidum carbolicum camphoratuui, Phonolkampfer (vergl. Bd. II, S. 1319)soll zum innerlichen und äusserlichen Gebrauch geeignet und darin die giftigeWirkung der Carbolsäure gemindert oder abgeschwächt sein.

Dieses Mittel mit der 23 fachen Menge Olivenöl oder Weingeist verdünntdient besonders zum Bestreichen und Bereiben seabiöser Exantheme sowie derHautanschwcllungen in Folge von Inseclenstichen und der sogenannten Hautwür-me r sowohl bei Menschen wie bei Hausthieren.