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Acidum carbolicum.
Bildung und Vorkommen. Bei der Fäulniss von Eiweisskörpera, so wie imWege der Verdauung findet die Bildung von Phenol statt. In 100 k Faecesfanden Brieger und Salkowski 0,14 g Phenol. Es entsteht ferner bei Schmel-zung von Albuminoi'dkörpern mit Aetzkali. 100,0 Eiweiss ergaben 0,255 Phenol(Nencki).
Die Ursache der Rothfärbung des reinen Phenols während der Aufbewahrungsoll nach Finzelbbrg hauptsächlich in der Art des Glases, aus welchem dieGefässe bestehen, zu suchen sein. Die Einwirkung von Wärme oder Licht seinicht die Ursache dieses Rothwerdens. Hager dagegen glaubt dieses Rothwerdenin einem Zutritt von Ammongas zur Säure zu erklären, und fand er eine Säurein 2 Th. getheilt, den einen Theil in ganz gefüllter hermetisch geschlossenerFlasche, den anderen Theil in offener Flasche mit 2,0 Ammoncarbonatstückchenin Gesellschaft unter einer Glocke, nach 8 Tagen letztere Säure roth gefärbt,die in dicht geschlossener Flasche aber farblos.
Chemie u. Analyse. Die Reaction des Ferrichlorids auf Phenol wird ver-hindert durch die Gegenwart der meisten organischen Säuren, der Mineralsäuren,der Phosphorsäure, der Acetate, Phosphate, des Borax, Glycerins, Weingeists,Amylalkohols, Aethers (Haöeb).
Der Nachweis des Phenols neben Salicylsäure oder Salicylaten gelingt aufZusatz von Aetzammon und dann einige Minuten späteren Zusatz von gechlorterNatronflüssigkeit. Es entsteht eine blaue Färbung, welche durch Säuren roth,durch Alkalien wieder blau wird. Freies Chlor und freie Säuren verhindern dieReaction. Es ist daher Ammon bis zur alkalischen Reaction, jedoch Chlornatronnicht im Ueberschuss zuzusetzen. Bei V M ooo Verdünnung erfolgt die Reactionerst in 24 Stunden, bei V30000 Verd. in 15 Minuten (Almen).
Allen setzt behufs Nachweises der Carbolsäure zu einigen Tropfen Salz-säure 1 — 2 Tropfen der zu prüfenden Flüssigkeit, dann einen Tropfen Salpeter-säure. Es erfolgt purpur-cannoisinrothe Färbung, doch Kreosot stört diese Re-action. — E. IIoffmann (in Kandel) hat folgende sehr scharfe Reaction auf Car-bolsäure aufgefunden. In einem Reagircylinder überschichtet man 1—2 CC. reinerconcentrirter Schwefelsäure mit einem gleichen Volumen der wässrigen Carbolsäure-lösung (z. B. 1 Säure auf 500) und lässt nun einige Körnchen Salpeter in dieFlüssigkeit fallen. Schon bei Anwesenheit von 1 mg Carbolsäure erzeugt jedesPartikel Salpeter einen violetten Streif. Beim Umschütteln färbt sich die ganzeFlüssigkeit intensiv violett. Wasserzusatz verändert die Farbe in roth-orange. —Davy empfiehlt als Reagens eine Lösung der Molybdänsäure in conc. Schwefel-säure, welche Lösung mit Carbolsäurelösungen violette Färbungen hervorbringt.Behufs Absonderung des Phenols in organischen Massen kann man diese mitWasser verflüssigen und mit Essigsäure im Ueberschuss versetzt der Destillationin Glasretorten unterwerfen.
Die quantitative Bestimmung geschieht (nach Degener) mittelst einer wäss-rigen Bromlösung. Die phenolhaltige, von Schwefligsäure freie Flüssigkeit wirdmit der Bromlösung von bestimmtem Gehalt versetzt, so lange das flockige weisseTribromphenol ausfällt. Das Ende der Reaction wird durch Kaliumjodidstärke-papier, dessen Jod durch freies Brom frei wird, erkannt. Das Zurücktitrirenüberschüssigen Broms geschieht entweder mit titrirter Phenollösung oder mittitrirter Kaliumjodidlösung. Im letzteren Falle kann ausgeschiedenes Jod durchNatronhyposulfit bestimmt werden. 94 Phenol entsprechen 280 Brom oder1 Phenol entsprechen 3,5213 Tribromphenol. Indol giebt mit Brom auch einenNiederschlag, aber einen amorphen. Das Tribromphenol ist krystallinisch.