Frühestes Bekanntworden der Alchemie. 3
eines Körpers in einen anderen sich als denkbar ergab. — Mit derErfassung des Glaubens an die Möglichkeit der künstlichen Erzeugungder edlen Metalle ging aber von frühe an Hand in Hand das Streben,diese Möglichkeit zu realisiren, und die Kundgebung von Behauptungen,sie sei bereits realisirt, sie lasse sich in dieser oder jener (aber immerunverständlich beschriebenen) Weise realisiren.
Das Land, für welches am Frühesten solches Streben, solcheKundgebung sich bezeugt findet, ist Aegypten, und bis in das vierte Jahr-hundert unserer Zeitrechnung wenn nicht in eine noch etwas weiterhinter uns liegende Zeit scheinen die Zeugnisse dafür zurückzugehen.Einige Unsicherheit bleibt nämlich in so fern, als die ältesten Docu-mente, welche für Aegypten Beschäftigung mit der Aufgabe, edleMetalle künstlich hervorzubringen, ersehen lassen, Verfasser haben,über deren Lebensverhältnisse — speciell auch was die Zeit be-trifft, in welcher sie lebten — wir nichts Genaueres wissen. Wasder Inhalt derjenigen Schriften, auf welche als ältere die anderen Be-zug nehmen, an Anhaltspunkten für die Zeitbestimmung bietet, läfstschliefsen, dafs die Abfassung der ersteren Schriften so weit wie an-gegeben zurückgehe. Undeutlich wie diese und die an sie sich an-schliefsenden, in Aegypten oder doch von Männern, welche in diesemLande ihre Bildung erhielten und der Alexandrinischen Schule an-gehörten, in Griechischer Sprache abgefafsten Schriften*) sind, — Daslassen sie doch erkennen, dafs in ihnen es sich um die künstlicheErzeugung von Gold und Silber, namentlich auch um die Metall-veredlung: die künstliche Umwandlung unedler Metalle in die ge-
*) Ich hahe in den beiden ersten Stücken meiner Beiträge zur Geschichteder Chemie, Braunschweig 1869, im Anschlufs an die Darlegung, was über denUrsprung der Alchemie und die Herkunft und Bedeutung des Wortes Chemievorgebracht worden und nachweisbar ist, das mir bis dahin über die obenerwähnten alchemistischen Aufsätze bekannt Gewordene zusammengestellt, von■welchen sich Sammlungen auf verschiedenen Bibliotheken in Handschriften finden,deren Inhalt noch nicht vollständig veröffentlicht ist. In neuerer Zeit sindsolche Handschriften wieder studirt und benutzt worden von G. Hoff mannfür den von ihm verfafsten Artikel „Chemie, Name" in dem von Ladenburgherausgegebenen Handwörterbuch der Chemie, Bd. II (Breslau 1834), S. 516 ff.und namentlich von M. Berthelot für sein Buch Les angines de l'alchimic(Paris 1885J.
I