Druckschrift 
1 (1900)
Entstehung
Seite
1083
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Ferrum.

1083

unter den vorstehenden Namen verstand man früher diejenigen Formen des Eisens,in denen dasselbe damals, als die reineren Eisensorten noch einen verhältnissmässig hohenPreis hatten, zur Darstellung von Eisenpräparaten verwendet wurde. Die Verhältnissesind heute infolge des wohlfeilen Preises der reineren Eisensorten sehr viel einfacheregeworden. Als leitende Gesichtspunkte für die Auswahl des zu Eisenpräparaten be-stimmten Eisens kann man folgende nehmen:

Gnsseisen, welches neben 'Kohlenstoff', Silicium, Phosphor auch noch Schwefel,Arsen. Kupfer, Blei und je nach der Beschaffenheit der Erze, aus denen es ausgebrachtwurde, auch noch andere Metalle als Verunreinigungen enthält, sollte niemals zur Dar-stellung pharmaceutischer Präparate benutzt werden. Das Gleiche gilt hier für denHammerschlag, den Drahtabfall und die Eisenfeilspähne der Metallarbeiter. Dieseenthalten in der Pegel Kupferfeilspähne und Messingstaub.

Das beste Material zur Darstellung von Eisenpräparaten ist der Eisendraht. Manverwendet ihn in Stärken von 11,5 mm. Da er oberflächlich stets etwas fettig ist, so wirder von dieser Fettschicht entweder durch Abreiben mit Kork, oder durch schwaches Aus-glühen gereinigt. Um ihn bequemer handhaben zu können, biegt man ihn in kleine Weifenoder dreht ihn in kleine Zöpfe. Fast ebenso rein sind die eisernen Nägel, und zwarsowohl die jetzt nur noch ausnahmsweise gebrauchten Schmiedenägel (Haken) als auch diesog. Drahtstifte. Sehr rein sind ferner die in den Maschinenfabriken abfallenden Eisen-drehspähne.

Prüfung. Man übergiesst 1,0 Eisenfeile mit 9,0 verdünnter (12,5 procentiger)Salzsäure, bewirkt die Lösung zuletzt unter Anwendung von Wärme und verdünnt miteinem doppelten Volum Wasser. Ein'Theil dieser Lösung mit Schwefelwasserstoffwasserversetzt, darf sich höchstens etwas dunkler färben oder bräunen, aber keinen dunklenNiederschlag ergeben (Kupfer, Blei). Erfolgte hier keine Fällung, so versetzt man einenanderen Theil der Lösung jenes Rückstandes mit einer reichlichen Menge Natriumacetat-lösung oder Ammoniumacetatlösung und dann mit Schwefelwasserstoff. Eine weisse Fällungzeigt Zink an. Eine schwache Trübung ist gegenstandslos.

Die Eisenfeile, welche zur Darstellung des Tartarus martiatus Verwendung findet,wird in gleicher Weise geprüft, jedoch ist 1,0 der Eisenfeile in der genügenden MengeBromsalzsäure (s. S. 507) zu lösen.

Anfbeivalirmig. In gut und dicht geschlossenen Glasgefässen, um das Postenzu verhindern.

Ferrum in Ulis pro analysi. Eisendraht zur Chornischen Analyse. ZurTiterstellung von Kaliumpermanganatlösungen benutzt man Blumendraht oder dünne Kla-viersaiten, welche durch Abreiben mit Bimsteinpulver und darauffolgend mit Filtrirpapiervon Unreinigkeiten und Oxyd befreit sind. Man kann, ohne einen besonderen Fehler zubegehen, annehmen, dass dieser Draht 99,6 Proc. Eisen enthält. Für ganz genaue Be-stimmungen muss der Eisengehalt des Drahtes ein für allemal festgestellt werden.

II. Ferrum pulveratum (Austr. Germ. Helv.). Limaille de fer porphyrisee(Gall.). Gepulvertes Eisen. Eisenpulver. Limatura Martis praeparata. PulvisFerri alkoholisatus.

Es wird in Tyrol fabrikmässig dargestellt. Möglichst reines Eisen wird zunächstmit grossen Feilen, welche durch Wasserkraft bewegt werden, bearbeitet, und die erhalteneEisenfeile" durch Stossen in Stahlmöxsem noch weiter zerkleinert. Das so erzielte Eisen-pulver wird durch Luftgebläse sortirt, wobei die feinsten Theilchen am weitesten weg-getragen werden, während die gröberen Theile näher liegen bleiben. Die letzteren gelangenin den Stahlmörser zurück und werden nach wiederholter Zerkleinerung wiederum durchden Luftstrom sortirt. Zum Pulvern darf nicht Gusseisen, sondern lediglich Schmiedeeisenoder kohlenstoffarmer Stahl (Draht) verwendet werden.

Eigenschaften. Das reine gepulverte Eisen bildet ein geruch- und geschmack-loses, schweres, höchst feines, graues oder dunkelgraues Pulver, welches vom Magnetenangezogen wird, welches beim Druck mit dem Pistill eine grau metallisch glänzendeFläche bietet, und beim Auflösen in verdünnter Salzsäure unter Entwicklung übelriechenden