Extraeta.
1071
deckten Gefässe stehen gelassen worden sind. Durch langsames Zutropfenlassen der vor-geschriebenen Extraktionsflüssigkeit erreicht man das Abfliessen sehr koncentrirter Auszügeaus dem Perkolator.
Hat man z. B. aus 1000,0 g Hydrastiswurzel = 1000,0 g Fluidextrakt zu bereiten,so sammelt man die zuerst abfliessenden 850,0 g Perkolat und stellt diese bei Seite. DieserAuszug, welcher die Hauptmenge der vorhandenen Extraktivstoffe enthält, wird keineneingreifenden Operationen mehr unterworfen. Man setzt nun das Perkoliren fort, bis dieDroge erschöpft ist, d. h. bis das Perkolat ungefärbt abläuft, oder bis sich in demselbenAlkaloide nicht mehr nachweisen lassen. (Vergl. S. 925 die Fussnote.) Die so erhaltenenAuszüge sind weitaus schwächer als die zuerst erhaltenen 850 Th. Perkolat. Man destillirtvon ihnen die Hauptmenge des flüchtigen Lösungsmittels (Alkohol u. dergl.) ab, dampftden Rückstand im Wasserbade zum dünnen Extrakt ein, nimmt dieses mit einer genügen-den Menge des vorgeschriebenen Extraktionsmittels auf, bringt auf 150,0 g und vereinigtdiese Flüssigkeit mit den vorher zurückgestellten 850,0 g erstem Auszug.
Das Extraktionsmittel ist in vielen Fällen lediglich verdünnter Alkohol. Bisweilenwerden demselben, in der Absicht, vorhandene Alkaloide in eine leichter lösliche Form zubringen, Zusätze von Säuren (Salzsäure, Essigsäure) gemacht. Enthält das Extraktions-mittel Glycerin, so wird es gewöhnlich in zwei Theilen angewendet. Der in bestimmtenGewichtsmengen angewendete I. Theil enthält das Glycerin und wird zum Befeuchten derDroge benutzt, zum Verdrängen dieses ersten Lösungsmittels, bez. zur Beendigung derPerkolation benutzt man alsdann den II. Theil des Lösungsmittels, welcher lediglich ausverdünntem Alkohol besteht.
Bezüglich der Koncentration der Fluidextrakte machen die hier berücksichtigtenPharmakopoen folgende Angaben.
Austr. hat in dieser Hinsicht kein bestimmtes Princip; sie schreibt die Koncen-tration für jedes aufgenommene Fluidextrakt im einzelnen Falle vor.
Brit. Lässt bei den indifferenteren Drogen aus 1000 g Rohstoff = 1000 cem Fluid-extrakt bereiten. Bei den stärker wirkenden, alkaloidhaltigen Drogen lässt sie die Fluid-extrakte auf einen im Einzelfalle vorgeschriebenen Alkaloidgehalt einstellen.
Germ. Lässt aus 100 Gewichtstheilen = 100 Gewichtstheile Fluidextrakt bereiten.
Helv. Wie Germanica.
U-St. Lässt aus 100 Gewichtstheilen Droge = 100 Volumtheile Fluidextrakt be-reiten.
Ueber die technischen Einzelheiten der Perkolation s. Kommentar von Hager-Fischer-Hartwich. IL Aufl. Bd. I. S. 642.
Acetracta, Acetextrakte. Diese von Prof. Remington in Philadelphia angegebenenArzneiformen werden bereitet, indem man die Drogen anstatt mit Alkohol mit Essigsäure,z. B. mit einer solchen von 60 Proc, extrahirt. Diese Arzneiformen haben in Deutschlandbisher Eingang nicht gefunden, auch sind sie wohl noch nicht genügend durchgearbeitet.
Valoüds. Unter diesem Namen vorsteht man in Amerika und in England die-jenigen Fluidextrakte, bei welchen 1 g = 1 g der Droge ist (nicht 1 cem = 1 g Droge).
Mit Kochsalzlösung bereitete Extrakte. Nach D.R.-P. 80267 werden die frischenVegetabilien zerkleinert, mit ungefähr 10 Proc. Kochsalz gemischt, einige Zeit mit diesemstehen gelassen und abgepresst. Die so erhaltene Soole wird im Vakuum zur Sirupkonsi-stenz eingedickt und mittels der Osmose vom grössten Theile des Kochsalzes befreit. Dieso erhaltene Extraktlösung dampft man schliesslich zur Extraktdicke ein. Diese Präparatehaben sich bisher nicht eingeführt.
Koncentrationeu, amerikanische, auch Resino'ide, sind Verreibungen indiffe-renter Pulver wie Milchzucker, Lycopodiurn u. a. mit den aus den betreffenden Pflanzen-stoffen dargestellten wirksamen Bestandteilen. Die Darstellung ist verschieden. In derRegel wird ein koncentrirter alkoholischer Auszug durch Wasser oder mit Säuren ange-säuertes Wasser oder Salzlösungen gefällt und der erhaltene Niederschlag mit den obenangegebenen Verdünnungsmitteln verrieben, und zwar so, dass das Gewicht des fertigenPräparates zum Gewicht der angewendeten Rohdroge in einer bestimmten Relation steht.Diese Arzneiformen haben in Deutschland Eingang nicht gefunden. Sie sind besondersdeswegen zu erwähnen, weil sie mit Namen belegt werden (Atropin, Baptisin, Oorydalin,Hydrastin u. s. w.), welche mit den deutschen Bezeichnungen zahlreicher starkwirkenderAlkaloide und Glukoside identisch sind. Evonymin z. B. ist der deutsche Name des Glukosids
68*