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1 (1900)
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Artemisia.

Oleum AbsinthÜ. Wermuthöl. Essence d'Absinthe (Gall.). Oil of Worm-wood. Wird aus dem frischen Kraute der Wermutkpflanze in Nord-Amerika, Frankreich,Spanien und Algier durch Destillation mit Wasserdampf gewonnen. Ausheute etwa

V* Proc.

Eine etwas dickliche Flüssigkeit von dunkelgrüner oder seltener blauer Farbe, dieim Alter in ein dunkles Braun übergeht, Geruch stark und nicht angenehm, Geschmackbitter, kratzend und lange anhaltend. Spec. Gew. 0,9250,955. Das Oel löst sich in3 Theilen SOprocentigen Alkohols klar auf.

Die Hauptbestandteile sind das früherAbsinthol" genannte Keton Thujon(Tanaceton) C 10 H 16 O sowie der dazugehörige Thujylalkohol C 10 H 1? OH. Dieser machtetwa 24 Proc. des Oels aus und ist nach Schimmel & Co. theils frei, theils an Essigsäure,Isovaleriansäure und Palmitinsäure gebunden. Weniger wichtig sind Phellandren, und einzweites Terpen, wahrscheinlich Pinen, die .beide in nur sehr geringer Menge vorhandensind. In den hoch siedenden Antheilen ist Cadinen, C 15 H 2i , sowie ein um 300° C. siedendesblaues Oel enthalten.

Prüfung. Wermuthöl wird häufig mit Terpentinöl verfälscht. Zum Nachweisedestillirt man 10 Proc. von dem zu prüfenden Oele ab und prüft das Destillat auf seineLöslichkeit in 2 Th. 80procentigen Alkohols. Bei reinen Oelen tritt klare Lösung ein, beiden mit Terpentinöl verfälschten nicht.

II. Artemisia vulgaris L. Beifuss. Johannesgürtel. Gänsekraut. Sonnen-wendel. Armoise. Von Europa durch das mittlere und nördliche Asien bis Japan, Nord-amerika.

Verwendung findet:

a) Das Kraut mit den Blüthen, Herba Artemisiae (Ergänzb.). SunimitatesArtemisiae. Herba regia. Feuille d'armoise (Gall.). Die unteren Blätter doppelt,die oberen einfach fiederspaltig mit lanzettlichen, meist eingeschnittenen Zipfeln. Ober-seits kahl, dunkelgrün, unterseits weissfilzig, Band umgeschlagen. Blüthenkörbchen rund-lich oder länglich, das Involucrum filzig, die Blüthen röthlich.

Bestandteile. 0,2 Proc. ätherisches Oel vom spec. Gew. 0,907, es enthält

Cineol.

Einsammlung. Im August. 4 Th. frisches Kraut geben 1 Th. trocknes.

Anwendung. Selten als Arzneimittel, häufiger als Küchengewürz.

Sirupus Artemisiae compositus, Sirop d'Armoise compose (Gall.). Sirop deFernel. Ein mit Zucker und Honig versüsster, weingeistiger Auszug aus Beifusskraut,Katzenmelisse, Polei, Sadebaum, Basilicum, Ysop, Majoran, Mutterkraut, Baute. Alant-,Fenchel-, und Liebstöckelwurzel, Zimmt und Anis.

b) Die Wurzel. Radix Artemisiae (Ergänzb.). Beifusswurzel. Stabwurz. Rhi-zome d'armoise (Gall.). Mugwort-root.

Beschreibung. Hin- und hergebogene, dünne, runzlige, aussen hellbraune, innenweisse Wurzeln, von denen das bis 2,5 cm dicke Ehizom möglichst zu beseitigen ist. DieRinde beträgt 1 l i 1 lio des Durehmessers. Vor den Gruppen der Bastfasern in der Bindeliegen 35 ansehnliche Sekretbehälter.

Einsammlung. Die im Herbst und ersten Frühjahr gegrabene Wurzel wird ohneWaschung gesäubert, möglichst schnell getrocknet und in Blechgefässen aufbewahrt. Jähr-lich zu erneuern. 3 Th. frische Wurzel geben 1 Th. trockene.

Anwendung. Gegen Epilepsie und Veitstanz.

Extractum Artemisiae (Ergänzb.) ist wie Extr. Absinthii (Germ.) zu bereiten.

Tinctura Artemisiae radicis (Bademachek) wird aus Beifusswurzel 1 Tb. und45 proc. Weingeist 5 Th. durch 3tägige Digestion gewonnen.

Folgende Epilepsiemittel enthalten Beifuss als wesentlichen Bestandtheil:

Bbesleb's: eine Mischung aus Beifusswurzel und Zucker.

Buohholz': 1) eine mit Beifusstinktur und Zimmtsirup versetzte Abkochung von Bei-fuss- und Pfingstrosenwurzel; 2) ein Thee aus Beifusskraut, Guajakholz, Pomeranzen- undSennesblättern.