Druckschrift 
Die Aufgaben der heutigen wissenschaftlichen Pharmacie : Vortrag, geh. auf der Hauptversammlung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft im Hofmann-Haus zu Berlin am 14. Dezember 1901
Entstehung
Seite
22
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

22

arbeitersehaft wissenschaftlich thätiger Apotheker erschlossen werdenkönnen 1 ). Unumgänglich notwendig ist das Studium der Bakteriologiefür den Apotheker seit der Einführung der vierten Ausgabe des Deut-schen Arzneibuches geworden. Die Vorrede desselben, in welcherallgemeine Vorschriften gegeben werden, enthält folgenden Abschnitt:Die Sterilisation von Arznei- oder Verbandmitteln erfolgt, sofernetwas anderes nicht vorgeschrieben ist, durch Anwendung von Wärmenach den Regeln der bakteriologischen Technik unterBerücksichtigung der Eigenschaften des zu sterilisie-renden Gegenstandes." Damit ist klar und deutlich gesagt, dassder Apotheker mit der bakteriologischen Technik, soweit es sichum die Sterilisation handelt, vertraut sein muss, und es würde zufolgeschweren Missständen führen, wenn die neue pharmaceutischePrüfungs- und Studienordnung, wie es leider den Anschein hat, denUnterricht in der bakteriologischen Technik nicht als besonderesStudienfach aufnehmen wollte. Warum soll den Apothekern diesesanregende und gewinnbringende Arbeitsfeld, auf welchem sie ver-möge ihrer Kenntnisse und Fertigkeiten mit dem Arzt in erfolgreichenWettbewerb treten können, verloren gehen? Man sage nicht, dasses jedem Pharmaciestudierenden unbenommen sei, an einem bakte-riologischen Kursus teilzunehmen und sich privatim die nötigenKenntnisse anzueignen. Nur wenige Studierende werden zur rechtenZeit, wo sich ihnen die Gelegenheit bietet, die Notwendigkeit diesesStudiums einsehen, wenn es nicht von staatswegen als obligatorischanerkannt ist. Ausserdem werden Arzt und Publikum in die bakte-riologische Thätigkeit der Apotheker ein viel grösseres Vertrauensetzen, wenn diesen der Befähigungsnachweis in der Form einerabgelegten staatlichen Prüfung zur Seite steht.

Haben wir bisher das Studium solcher Disziplinen als notwendig-anerkannt, welche jedermann als zurWissenschaft" gehörig be-zeichnen wird, so möchte ich zum Schluss noch einen Schritt weitergehen und einen Punkt zur Sprache bringen, der für die gedeih-liche Entwickelung des Apothekerstandes sehr wesentlich ist. Diewissenschaftliche Ausbildung und die wissenschaftliche Gewissen-haftigkeit, welche das Ansehen begründet haben, das der deutsche Apo-theker bei seinen Fachgenossen in der ganzen Welt geniesst, müssenzu einem Moment der Schwäche in wissenschaftlicher Beziehungfür ihn werden, wenn er nicht über die nötigen kaufmännischenKenntnisse verfügt. Als wissenschaftlicher Gewerbetreibender ist derApotheker auch zugleich Kaufmann und wird es wohl in Zukunft

1) Vergleiche Theodor Paul, Entwurf zur einheitlichen Wert-liestimmung chemischer Desinfektionsmittel. Berlin, Julius Springer, 1901.