Hochverehrte Anwesende!
Wenn wir die Geschichte des deutschen Apothekenwesens derletzten beiden Jahrzehnte durchblättern, so bemerken wir, dass zuden inneren fachpolitischen Kämpfen, die von jeher bestanden undwelche keinem Stande erspart bleiben, ja, im Interesse einer ge-deihlichen Entwickelung notwendig sind, Anfechtungen von aussentreten, welche die wirtschaftliche Lage der Apotheker und ihresociale Stellung in hohem Grade bedrohen. Es war zu erwarten,dass die in diese Zeit fallende socialpolitische Gesetzgebung, undvor allem das sich aufweite Bevölkerungskreise erstreckende Kranken-versicherungsgesetz einen bedeutendenEinfluss auf denArzneiverbrauchund den Verkehr mit Arzneimitteln ausüben würden, welcher sichteils im günstigen, teils im ungünstigen Sinne für den gesamtenApothekerstand geltend machen musste. Da die Kosten für dieArzneimittel und die ärztliche Behandlung der Versicherten von denöft.ntlichen Krankenkassen getragen werden, so ist einmal dasArzneibedürfnis der Bevölkerung gestiegen, und andererseits ist derVerlust der Apotheker durch lange Kreditgewährung und die Nicht-erlangung der kreditierten Beträge im allgemeinen geringer ge-worden. Diese Vorteile werden aber durch den Umstand beein-trächtigt, dass die Vorstände der grösseren Krankenkassen ihreMachtstellung dazu benutzen, von den Apothekern eine Rabatt-gewährung zu erlangen, welche vielfach das Maass des Zulässigenüberschreitet. In den Bezirken, in welchen die Apotheker einmütigsolchen Zumutungen gegenüber Stellung nahmen, gelang es meist,das Schlimmste abzuwenden, an den Orten jedoch, wo Uneinigkeitherrschte oder näher oder ferner wohnende Fachgenossen in un-lauteren Wettbewerb eintraten, mussten sich die Apotheker oft dieschimpflichsten Bedingungen auferlegen lassen, welche ihre wirt-schaftliche Lage auf das Ernsteste gefährdeten. Die Berichte über