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Die Aufgaben der heutigen wissenschaftlichen Pharmacie : Vortrag, geh. auf der Hauptversammlung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft im Hofmann-Haus zu Berlin am 14. Dezember 1901
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Er ist neuerdings hierzu um so mehr berechtigt, als der Apotheker-stand mit Rücksicht auf die Anforderungen, welche das neue deutscheArzneibuch in Bezug auf chemische und pharmakognostische Kennt-nisse und Fertigkeiten an die Apotheker stellt, unbedingt zu dengelehrten Berufen zu zählen ist. Je grösser die allgemeine Wert-schätzung des Apothekers als Vertreter eines naturwissenschaftlichgebildeten Standes ist, um so höher wird man ihn für seine Arbeits-leistungen zu entschädigen geneigt sein.

Wie der als Arzt und Gelehrter gleich hoch geschätzte Pro-fessor Philipp Phoebus in seinen im Jahre 1873 erschienenenBeiträgen zur Würdigung der Lebensverhältnisse derPharmacie 1 ) mit Recht betont, ist es vor allem Pflicht der Ärzteals berufene Schirmer der Pharmacie aufzutreten, da sie besser alsdie Angehörigen aller anderen Stände zu beurteilen vermögen,welchen Wert ein wissenschaftlich hochstehender Apothekerstand fürdie Gesundheitspflege in einem Staate besitzt. Auf der anderenSeite haben die Ärzte das grösste Interesse daran, mit den Apo-thekern Hand in Hand zu gehen, sei es, dass letztere die ver-ordneten Arzneien in tadelloser Beschaffenheit herstellen und ihnenbei der Herstellung neuer Arzreiformen behilflich sind, sei es,dass diese ihnen bei ihren physiologisch-chemischen oder bakterio-logischen Untersuchungen mit Rat und That zur Seite stehen. Umso weniger ist es zu begreifen, wie der Apothekerstand gerade vonSeiten einiger Ärzte in der letzten Zeit auf das heftigste angegriffenwerden konnte. Ich denke hierbei in erster Linie an die Angriffe,welche ein Arzt kürzlich in Bayern gegen die Apotheker richtete,und an die unziemliche Art und Weise, in welcher in den letztenTagen ein Berliner Arzt in einer vielgelesenen politischen Zeitunggegen dieungeheuren Gewinne" der Apothekenbesitzer anonym zuFelde zog. Während bei den meisten derartigen Angriffen dieWissenschaftlichkeit des Apothekerstandes mehr oder weniger ver-steckt angezweifelt oder den Apothekern nicht die ihnen gebührendeEntschädigung für ihre Arbeitsleistungen zugebilligt wird, lässt sichder Verfasser jenes an zweiter Stelle genannten Zeitungsartikels beiBesprechung der Ausgaben der Krankenkassen für ärztliche Be-mühungen und Arzneimittel zu der Bemerkung hinreissen, dasshier ein Monopol im Streite mit der Arbeit eines gelehrten Standesstehe". Meine Herren! Der gesamte Apothekerstand kann gegen

1) Philipp Phoebus, Beiträge zur Würdigung der heutigen LebensVerhältnisse der Pharmacie. Zweite, erweiterte Bearbeitung der im Jahre1871 veröffentlichtenBemerkungen über die heutigen Lebensverhältnisseder Pharmacie". Giessen 1873.