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Die Aufgaben der heutigen wissenschaftlichen Pharmacie : Vortrag, geh. auf der Hauptversammlung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft im Hofmann-Haus zu Berlin am 14. Dezember 1901
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die Zwistigkeiten zwischen den Krankenkassen-Verwaltungen undden Apothekern kehren in den pharmaceutischen Fachzeitschriftenseit einer Reihe von Jahren so regelmässig wieder, dass wir unsförmlich an diese Vorkommnisse gewöhnt haben, und nur dannunser Interesse in erhöhtem Masse in Anspruch genommen wird,wenn diese Streitigkeiten eine aussergewöhnliche Form oder be-sonders grosse Dimensionen annehmen. So stehen wir alle nochunter dem Bindruck der Kämpfe, die sich in dieser Beziehung hierin Berlin abgespielt und noch nicht ihr definitives Ende erreichthaben. Aber es sind nicht nur die Riesendimensionen, welche derStreit in dieser Millionenstadt angenommen hat, und die grossenSummen, die dabei in Frage kommen, welche die Aufmerksamkeitder Apotheker der benachbarten Provinzen, ja der Fachgenossendes ganzen Deutschen Reiches erregen und allseitig den lebhaften"Wunsch nach einem günstigen Abschluss wach rufen, sondern esist vor allem der Gedanke, dass der Ausgang dieses Kampfes vor-bildlieh für ganz Deutschland werden muss. Eine Niederlage derApotheker Berlins wird unfehlbar die Leiter der Krankenkassen imganzen Reiche anspornen, ebenfalls den Kampf aufzunehmen und ihnbis aufs Ausserste durchzuführen. Glücklicherweise ist bis jetzt be-gründete Hoffnung vorhanden, dass der Streit für die Apotheker einbefriedigendes Ende nehmen wird, und haben sich die BerlinerFachgenossen nicht nur den Dank des gesamten deutsehen Apo-thekerstandes für ihr einmütiges und umsichtiges Vorgehen er-worben, sondern auch denjenigen der Vertreter der Wissenschaft^liehen Pharmacie. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass sich nurauf einer gesunden wirtschaftlichen Grundlage ein wissenschaftlichesLeben aufzubauen vermag und ideale Ziele gepflegt werden können.Aber wenn auch all' diese Kämpfe zu Gunsten der Apothekerausfallen würden, und sich letztere stets einer unberechtigtenSchmälerung ihres Einkommens und ihrer wohl erworbenen Rechtezu widersetzen vermöchten, so behält doch auch hier, wie bei allenZwistigkeiten, das Sprichwort Recht:Friede ernährt, Unfriede ver-zehrt." Abgesehen davon, dass der in kaufmännischen Angelegen-heiten vorzüglich bewanderte Drogistenstand als tertius gaudens dieGelegenheit benutzt, die Lieferung gewisser Arzneimittel in dieHände zu bekommen, erleidet der deutsche Apothekerstandvor allem dadurch eine Schädigung, dass sein Ansehen,auf das er von alters her stolz sein durfte, gefährdetwird und gefährdet werden muss. In einem Kampfe, beiwelchem vielfach nicht der Anstand, sondern die Leidenschaftendie Mittel wählen, in einem Kampfe, der in der grössten Öffent-lichkeit ausgefochten wird und an dem die breitesten Schichten