ORCHIS Linn.
Blüthen zwittrig, zygomorph. Kelchblätter ziemlich gleich gestaltet, zusammengeneigt oder abstehend.2 Blumenblätter ähnlich, oft etwas kleiner, nngetheilt; Lippe gespornt, meist dreilappig, der Mittellappenwieder zweilappig, durch Drehung im Fruchtknoten (Resupination) nach unten gewendet. Säule sehr kurz,kaum angedeutet. Staubgefäss aufrecht (basiton) mt 2 öhrchenartigen Staminodien am Grunde; Schnäbel-chen deutlich. Pollinien keulenförmig, mit 2 getrennten, in einer gemeinschaftlichen Tasche {Bur secuta)steckenden Klebscheiben. Kapsel ellipsoidisch mit 3 Klappen aufspringend. — Ausdauernde Stauden mitzweizeilig angereihten, am Grunde scheidigen Blättern; Wurzelknollen ganz oder handförmig getheilt.Blüthen in mehr oder weniger reichblüthigen Trauben.
Über 70 Arten in Europa, dem gemässigten Asien und nördlichen Afrika; 2 auf den canarischen In-seln und in Amerika.
Orchis militaris Linn.
Tafel 134.
Knollen ungetheilt, ellipsoidisch; Deckblätter sehr klein; äussere und zwei innere Perigonblätter zueinem Helm zusammengeneigt; Labell dreispaltig, Seitenzipfel linealisch, Mittellappen zweilappig mitMittelzähnchen; Sporn kürzer als der Fruchtknoten.
Orchis militaris Linn. Spec. pl. ed. I. 941 {z. Th.); Allion. Fl. Pedem. II. t. 148; Fl. Dan. VIII.t 1277; Jacq. Coli. II. t. 268, Icon. rar. III. t. 598; Svensk Bot. t. 340; Schrk. Fl. Mon. I. t. 74;Dietr. Fl. Bor. I. t. 63; Guimp. u. Schlecht. Pfl. Pharm. I. t. 11; Klotzsch in Hayne, Arzneipfl. XIV.t. 17- Ledeb. Fl. Boss. IV. 61; Willk. et Lange, Prodr. Fl. Hisp. I. 166; Godr. et Gren. Fl. Fr. III. 289;Bois's. Fl. or. V. 64; Pari. Fl. Ital. III. 484; Berg u. Schmidt, Barst, u. Beschr. XI a ; Köhler, Medizinalpfl.t. 61; Baill Fl. med. 1437; Flück. Pharmacogn. 394.
Orchis Bivini Gouan, Obs. 74; Bchb. Orch. Germ. t. 30; Garcke, Fl Deutsch, ed. XVIII. 578.
Orchis mimusops Thuill Fl env. Paris 458.
Orchis cinerea Schrk. Bayer. Fl 241; Sut. Fl. Heh. ed. Hegetschw. 265.
Orchis galeata Poir. Suppl IV. 593.
Helmknabenkraut; englisch: Man orchis or Military orchis; französich: V orchis en casque.
Aus dem Samen bildet sich im ersten Jahre ein ellipsoidisches, am Ende stumpf zugespitztes Knöllchen,das der Wurzel entspricht; auf ihm sitzt ein aus wenigen Niederblättern und einer Laubblattanlage ge-bildetes Knöspchen. Im nächsten Jahre kommen 2—3 Laubblätter hinzu. Zugleich entsteht in der Achseleines der mittleren Niederblätter ein Knöspchen, das eine kräftige Adventivwurzel hervorbringt; dieseverdickt sich wieder knollenförmig und wird durch die vergrösserte, röhrenförmige Scheide seines unterstenBlattes wie durch ein Rohr tiefer in den Boden gesenkt. Die Knolle mit der aufsitzenden Knospe wirdder Grundstock für eine neue Pflanze, die sich im nächsten Jahre entwickelt.
Die blühende Pflanze besitzt 2 Knollen, von denen die ältere, braune als Reservebehälter für denAufbau und die Fruchterzeugung benutzt wird; nachdem die letztere eingetreten, ist sie vollkommenausgesaugt und verwittert; die zweite Knolle ist prall mit Reservestoffen gefüllt und auf dieselbe Weiseaus der Adventivwurzel einer Knospe des vierten oder fünften Niederblattes entstanden, wie dies an derKeimpflanze geschildert wurde, nur steht sie mit ihrer Mutterpflanze in engerer Verbindung. Sie ist un-getheilt, ellipsoidisch, weiss, schleimig und bildet mit der darauf sitzenden Knospe den Grundstock für