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Lehrbuch der Zoologie
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Allgemeine Zoologie.

der Trennung von Zellkomplexen beruhen, trotz ihres verschiedenenmorphologischen Werts in eine Gruppe bringt und ferner einen causalenZusammenhang von Befruchtung und Fortpflanzung in einer den tatsäch-lichen Verhältnissen nicht entsprechenden Form annimmt.

Um das Gesagte klar zu machen, gehen wir davon aus, daß einejede Fortpflanzung auf Zellvermehrung beruht. Bei einzelligen Organismenist Fortpflanzung und Zellvermehrung eines und dasselbe. Bei vielzelligenOrganismen ändert sich das, insofern wir hier zweierlei Zellteilungenunterscheiden müssen, die wir somatische und propagatorische Zellteilungennennen wollen. Beide sind Fortsetzungen des Furcbungsprozesses; erstereliefern und vergrößern das Material, aus dem sich die Gesamtheit derfunctionierenden Organe, dasSoma", entwickelt, sie bedingen dasWachstum des Individuums; letztere liefern das Material für neueIndividuen, die Geschlechtszellen.

In den Verlauf der Zellteilungen, welche den Lebensgang derOrganismen darstellen, greift nun die Befruchtung ein, bei Protozoen dieVerschmelzung zweier Individuen, bei vielzelligen Tieren die Verschmelzungzweier Geschlechtszellen, welche die Anlage zu zwei Individuen enthalten;beiden Fällen gemeinsam ist die Vereinigung (Ampbimixis) zweier Organi-sationen zu einer kombinierten Organisation. Bei den Protozoen ist derEinfluß, welchen die Befruchtung auf die Fortpflanzung ausübt, in den ein-zelnen Klassen ein ganz verschiedener. Bei Infusorien verändert sie inkeiner ausgesprochenen Weise die Intensität der Vermehrung; bei vielenRhizopoden bringt sie die Vermehrung sogar zum Stillstand, indem sieRuhezustände (Encystierung) veranlaßt; bei Sporozoen führt sie zu einerbesonderen Form der Vermehrung. Nur im letzteren Fall könnte man vongeschlechtlicher Fortpflanzung" reden; die beiden anderen Fälle dagegenlassen erkennen, daß Befruchtung und Fortpflanzung zwei Lebenserschei-nungen sind, welche nicht notwendig zusammen gehören, daß die wichtigsteAufgabe der Befruchtung nicht darin zu suchen ist, daß sie die Vermehrungder Tiere ermöglicht, sondern daß sie in einer noch nicht aufgeklärten,jedenfalls aber fundamental wichtigen Weise den Organismus umgestaltetund die Lebensvorgänge beeinflußt.

Bei dieser Sachlage bedarf es der Erklärung, warum bei Metazoendie Befruchtung in so innige Beziehung zur Fortpflanzung getreten ist,daß man meinen könnte, was ja auch der herrschenden Anschauungsweiseentspricht, die Befruchtung sei von der Natur gleichsam eingeführt worden,um die Fortpflanzung zu ermöglichen. Die Erklärung ist in der Viel-zelligkeit zu suchen. Wenn es für die Erhaltung der Organismen vonWichtigkeit ist, daß die Eigentümlichkeiten zweier Organisationen in eineverschmolzen werden, so kann dieselbe nur erfolgen, wenn die Eigen-schaften eines jeden Organismus oder auch nur die Anlagen dazu in einereinzigen Zelle kondensiert sind, wie es bei der Fortpflanzung durch Eierder Fall ist. Denn eine Vereinigung zweier vielzelliger Organismen zueinem einheitlichen Organismus ist erfahrungsgemäß immer nur ein Neben-einander der Teile, nie eine völlige Durchdringung der beiderseitigenEigenschaften. Daher wurde die von koloniebildenden Protozoen über-nommene Fortpflanzung, daß die Zellverbände immer wieder von Einzel-zellen ihren Ausgangspunkt nehmen, beibehalten und mit Befruchtungkombiniert. Dagegen sind Teilung und Knospung der vielzelligen TiereNeuerwerbungen, welche in Anpassung an besondere Lebensbedingungenin den einzelnen Abteilungen unabhängig entstanden sind. Sie lassensich auf die Erscheinungen der Regeneration zurückführen, auf die Fähig-