Allgemeine Zoologie.
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oder die Chromosomenmasse, als ein entsprechendes Mosaik kleinster, deneinzelnen Eigenschaften korrespondierender Anlageteilchen oder „Deter-minanten". Jeder auf das Kind sich vererbenden, sei es latent bleibenden,sei es zum Ausdruck kommenden väterlichen oder mütterlichen Eigen-schaft würde eine Determinante entsprechen. Die Structnr der Chromo-somen würde demnach auf der gesetzmäßigen Gruppierung zahlloserDeterminanten beruhen.
Das Vorkommen der Parthenogenesis zeigt nun, daß ein Ei ohneHinzutreten des Samenkerns einen normalen Organismus zu liefern vermag,daß die Chromosomen des Eies somit ausreichen, um alle zum Lebennötigen Eigenschaften zu liefern; noch beweisender ist die „künstliche Merogonie,Parthenogenese", die Erscheinung, daß ein auf Befruchtung eingestelltes partheno-Ei durch chemische Einflüsse allein zu einer normalen Entwicklung an- g p,les,s -geregt werden kann. In entsprechender Weise reichen für eine normaleEntwicklung auch die väterlichen Chromosomen aus. Denn ein Ei, aus demman den Eikern entfernt hat und das man dann monosperm befruchtet,liefert ebenfalls einen Organismus, der mit allen zum Leben nötigenEigenschaften ausgerüstet ist (Merogonie). Ein befruchtetes Ei muß somitfür jede Elementareigenschaft zweierlei Determinanten besitzen, eine väter-liche und eine mütterliche, oder, wenn wir diese Vorstellung auf die ge-samte Vererbungsmasse übertragen, ein doppeltes „Sortiment von Chromo-somen". Ob eine bestimmte Eigenschaft in rein väterlicher oder reinmütterlicher Weise oder in einer verschieden abgestuften Kompromißformzwischen beiden erscheinen wird, würde von der Energie der beidenkonkurrierenden Determinanten abhängen. Ist eine Determinante so über-mächtig, daß die andere neben ihr nicht zur Geltung kommt, so wollenwir sie „dominierend", die unterdrückte „recessiv" nennen.
Schon lange ehe man die Erscheinungen der Befruchtung kannte,hat Mendel durch Experimente an Pflanzen bewiesen, daß, wenn man Me ß* e 't z cll( ' sIndividuen kreuzt, welche sich rücksichtlich einer Eigenschaft erheblichunterscheiden, z. B. rücksichtlich der Blütenfarbe, die so erzielten Bastardein vielen Fällen keine Mischformen sind, sondern sich ausschließlich nachdem einen der beiden Eltern richten. Als er rote und weiße Erbsenkreuzte, erhielt er, gleichgültigin welcher Richtung die Kreu-zung vorgenommen wurde, nurrotblühende Formen. Die Deter-minanten für rote Blütenfarbeerwiesen sich als so sehr „dominie-rend", daß die recessiven Deter-minanten für Weiß gar nicht zurWirksamkeit gelangten (Präva-lenz). Daß die „weißen Deter-minanten" gleichwohl vorhandenwaren, was nach den morpho-logischen Ergebnissen über Be-fruchtung selbstverständlich ist, stellte sich heraus, als die rotblühendenBastarde durch Selbstbefruchtung fortgepflanzt wurden (Fig. 99). Denn1 / i ihrer Nachkommen blühte weiß; dieser Teil „züchtete auch weiterhinrein", d. h. die weiße Farbe, das „recessive" Merkmal, blieb in allenfolgenden Generationen konstant; ein Zeichen, daß die dominierende Deter-minante, die Fähigkeit, rote Blüten zu treiben, aus den Geschlechtszellenvollkommen geschwunden war. Von den übrigen 8 / 4 züchtete 1 / i ebenfalls
Hertwig, Lehrbuch der Zoologie. S. Aufl. 3
recessiv (~)
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Fig. 99. Erläuterung der MendelschenVererbungslehre. Schwarz entspricht den rot,weiß den weiß blühenden Erbsen.