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Lehrbuch der Zoologie
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Allgemeine Zoologie.

lassen, in welcher Weise sich die beiden Kerne am Aufbau der Furchungs-spindel beteiligen. Es ergibt sich, daß von den Chromosomen, d. h. denchromatischen Elementen, welche die Äquatorialplatte der Spindel bilden,genau die eine Hälfte vom Eikern, die andere vom Spermakern geliefertwird. Denn ehe noch die Spindel entstanden und die Kontur der beidenKerne geschwunden ist, sind die für die Spindel bestimmten Chromo-somen in jedem derselben in vollkommen gleicher Zahl entwickelt (Fig. 98).Die mitgeteilten Beobachtungen über die Befruchtung haben in derNeuzeit eine sichere Basis für die Lehre von der Vererbung geliefert.Unter Vererbung verstehen wir die Übertragung der elterlichen Eigen-schaften auf die Nachkommenschaft. Diese Übertragung erfolgt im großenund ganzen mit gleicher Energie von Seiten des Vaters wie der Mutter.Denn wenn wir aus zahlreichen Fällen das Mittel ziehen, so sind dieEigenschaften des Kindes eine Resultante, welche zwischen den Eigen-schaften von Vater und Mutter die Mitte hält; oder mit anderen Worten,die männlichen und weiblichen Individuen, im Durchschnitt betrachtet,haben gleichviel Vererbungsenergie. Da bei allen Tieren mit äußerlicherBefruchtung ein materieller Zusammenhang zwischen Eltern und Nach-kommenschaft nur durch die Geschlechtszellen vermittelt wird, so müssendiese die Substanzen enthalten, welche die Vererbung bewirken. Fernermüssen bei der gleichen Vererbungsenergie beider Eltern die Vererbungs-substanzen im Ei und Spermatozoon in gleicher Menge vorhanden sein.Auf diesem Wege der Überlegung kommen wir dahin, mit großer Be-stimmtheit die chromatische Kernsubstanz, welche die Chromo-somen liefert, als den Träger der Vererbung zu bezeichnen.Denn da wir wissen, daß das Ei große Mengen von Protoplasma, dasSpermatozoon aber nur die allergeringsten Spuren davon enthält, daßdagegen Eikern und Spermakern gleichviel Substanz und namentlichgleichviel Chromosomen zur Furchungsspindel liefern, so genügt nur dasChromatin des Kernes den Ansprüchen, welche wir an eine Vererbungs-substanz (Idioplasma) stellen müssen. Hiermit gewinnt eine früherschon geäußerte Ansicht weitere Stützen, daß der Kern der Träger derVererbung ist und den specifischen Charakter der Zelle bestimmt (cf. S. 55).

Deter-minanten-

lehre.

Die Tatsachen, welche wir über Samen- und Eireife und den Be-fruchtungsprozeß kennen gelernt haben, sind Ausgangspunkt weitererUntersuchungen und daran sich anknüpfender theoretischer Betrachtungengeworden, welche in der Neuzeit große Bedeutung gewonnen haben, weildie Hoffnung besteht, die aufgestellten Theorien experimenteller Prüfungzugängig zu machen. Auch haben sich Beziehungen herausgestellt zu denäußerst wichtigen, schon 1864 erschienenen, lange Zeit aber unberücksichtigtgebliebenen Experimenten Mendels über Vererbung bei Pflanzenhybriden. Wenn wir die Geschlechtskerne, resp. die in ihnen enthaltenen Chromo-somen als Träger der Vererbung auffassen, so will das besagen, daß gewisseBestandteile der Chromosomen, der Kernsabstanz im engeren Sinn, dieAnlagen zu den später sich entwickelnden, teils väterlichen, teils mütter-lichen Eigenschaften des Kindes enthalten. Die einfachste Form, sichdiesen Zusammenhang zwischen Anlage und Entwicklungsprodukt vorzu-stellen, ist die Determinantenlehre Weismanns. Wir wollen dieselbeunseren Betrachtungen zugrunde legen, wenn sich auch gegen sie vielerleieinwenden läßt. Wir stellen uns jeden Organismus vor als einen Komplexzahlloser Eigenschaften, als eine Art Mosaik, und in gleicher Weise dieAnlagesubstanz des in die Entwicklung eintretenden Eies, das Idioplasma